Callcenter

N26 Service: Der Mobilfunkanbieter unter Banken?

Mobilfunkanbieter haben im Service ein Image-Problem: Hat man ein Problem, hängt man in einer “Service-Schleife” fest, wenn man überhaupt Antworten erhält. Probleme schnell zu lösen ist fast unmöglich. Der Kontakt zum Kunden in Form eines Call-Centers hat eh keine Kompetenz, etwas zu entscheiden. N26 scheint dem nachzueifern.

Vermehrt kann man es nachlesen:

  • 80.000€ vom Konto verschwunden, wochenlang keine Reaktion (Link)
  • Der CFO von Grover, Thomas Antonioli bezichtigt N26 auf LinkedIn des Diebstahls (Link)
  • Polizeieinsatz, weil sich ein Kunde nicht mehr anders zu helfen weiß, als vor Ort zu erscheinen (Link)

Die Liste ließe sich beliebig verlängern, wenn man in den sozialen Netzwerken schaut. Oder auch eigener Blogbeitrag aus 2017.

Was bedeutet “Service” bei N26? Ein eigenes Beispiel: als Geschädigter beim Mastercard-Priceless-Datenschutzproblem hat mich N26 angeschrieben, dass die Karte getauscht werden muss. Ungewöhnlich: ich müsste die neue Karte bestellen, die Kosten würden erstattet. Ich könne mich per E-Mail oder Chat an N26 wenden.

Hürde 1: es gibt keine E-Mail-Adresse! Auf allen Support-Seiten wird nur auf den Chat verwiesen. Lediglich auf der Seite für Kündigungen findet man noch eine E-Mail-Adresse.

Hürde 2: Im Chat hänge ich gut eine halbe Stunde, bis sich jemand meldet. Und dann werde ich rausgeworfen.

Also lasse ich das mit der Karte erst einmal. Ein paar Tage später kommt eine weitere Mail mit dem Hinweis, dass ich die Karte direkt in der App beantragen könne. Die Kosten würden automatisch erstattet. So funktioniert es dann auch. Die Karte kommt ein paar Tage später und lässt sich problemlos aktivieren. Nur die Gebühren sind noch nicht erstattet. Aber es gibt ja den Chat. Diesmal dauert die Wartezeit “nur” 5 Minuten. Nach der Wartezeit werde ich von der Mitarbeiterin (auf Deutsch) gefragt, wie sie mir helfen kann. Ich formuliere meinen Satz und schicke ihn ab. Zwei Minuten später die automatisierte Nachricht, dass es nach 23.00 Uhr ist und der Support nur auf englisch zu Verfügung steht. Würde ich deutschen Support haben wollen, würde ich mich schon wieder ärgern – warum kann man mir das nicht vor der Wartezeit mitteilen und warum fragt man mich erst auf Deutsch nach meinem Anliegen? Aber ich will weitermachen – geht aber nicht, die Mitarbeiterin Samina beendet den Chat einfach ohne weitere Kontaktmöglichkeit. Wiedereröffnen? Nicht vorgesehen…

Fazit: Eine Bank ohne Service

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn ich mal ein echtes Problem hätte und N26 nicht nur ein Zweitkonto wäre. Es geht hier eben nicht um einen Mobilfunkvertrag, sondern um echtes Geld – um die Lebensgrundlage.

Keine telefonische Erreichbarkeit, keine zeitnahen Antworten auf E-Mails, ein nicht funktionierender Chat. Und dann im Chat wahrscheinlich niemanden, der mir konkret in einer Notfallsituation helfen kann, sondern nur vertröstet.

Selbst wenn es kein massives Problem ist: was für eine (Entschuldigung: dumme) Idee ist es, dass ein Kunde zum Chat gezwungen wird, wenn dort nicht innerhalb von kürzester Zeit einen Ansprechpartner bekommt. Eine halbe Stunde oder auch nur 5 Minuten auf einen Handybildschirm zu schauen, ob etwas passiert, ist noch schlimmer als eine nervige Warteschleifenmusik. Wenn der Akku so lange überhaupt hält. Und dann noch immer minutenlang auf Antworten zu warten, weil der Mitarbeiter wahrscheinlich x Kunden gleichzeitig bedient. Da kommt Wertschätzung auf.

Irgendwie auch logisch

Schauen wir uns die Zahlen doch einmal an:

50.0000 Anfragen pro Woche bei 600 Mitarbeitern macht über 80 Anfragen je Mitarbeiter und Tag. Nebenbei das Ganze in 5 Sprachen, Urlaube, Krankheiten. Und die Mitarbeiter müssen regelmäßig geschult werden – das ist je Mitarbeiter schon eine wirklich Herausforderung. Wer einmal in einer Bank gearbeitet hat, der weiß, dass sich viele Fragen nicht “mal eben schnell” beantworten lassen und Zeit benötigen. Alleine diese Zahlen hinterlassen ein schlechtes Bild bei mir.

Wachstum oder Service?

N26 setzt massiv auf Wachstum und verliert dabei offensichtlich den Service aus den Augen. Es zeigt sich, dass auch bei einem hochdigitalisiertem Produkt Service nötig ist. Man muss sich nur die Communities aller Fintechs anschauen. Softwarefehler, fehlende Funktionen und dadurch notwendige manuelle Eingriffe, Verständnisprobleme, Endbenutzer-Hardwareprobleme (die gar nicht durch das FinTech zu verantworten sind), Systemausfälle – alles das bedingt guten Support. Besonders schlimm ist es, wenn eine Bank dies aus dem Auge verliert.

Neben der Bilanzzahlen ist der wesentliche Wert einer Bank durch Vertrauen definiert. Alle Kunden haben ein Grundbedürfnis: ihr Geld nur jemanden zu geben, dem sie Vertrauen. Jemand, der aber für nicht erreichbar ist oder nicht umgehend sich nachweislich eines Problems annimmt, der bekommt das Vertrauen nicht – und hat es langfristig auch verspielt.

Meine Hauptbankverbindung wird N26 definitiv nicht – und mein Konto steht derzeit bei minus 6€ – noch vertraue ich darauf, dass diese Gebühr für die neue Kreditkarte wieder gutgeschrieben wird.

H:32

Fintech Hub Berlin H:32 – Symbolik pur

Die Bankenbranche ist im Umbruch – das ist wahrlich keine neue Information. Was das aber wirklich bedeutet, kann man in Berlin im Hub H:32 gut erkennen.

Hätte man vor 10 Jahren im Hauptsitz der ehrwürdigen Berliner Bank – immerhin 1950 gegründet – prognostiziert, dass hier heute junge Menschen aus der ganzen Welt in kleinen, hochdynamischen Technologieunternehmen arbeiten und dabei Banking neu definieren – man hätte maximal ein arrogantes Lächeln geerntet.

So ist es jetzt aber: die Startup-Szene ist eingezogen. Die Parkplätze sind leer, Unkraut beginnt zu wachsen und man kann noch erkennen, wo die Namensschilder an den Parkplätzen hingen – die ehemaligen Statussymbole der Führungskräfte. Die meist jungen Menschen kommen mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. Anzüge und Krawatten sieht man nicht mehr – im Sommer sind es T-Shirts und kurze Hosen. Es wird eine Mischung aus englisch und deutsch gesprochen. Die Internationalität ist kein Problem – ganz im Gegenteil. Ausländische Kollegen werden nicht als Konkurrenz, sondern als dringend benötigte Unterstützung und Bereicherung angesehen. Der Kontrast zu einer klassischen Bank könnte auffälliger nicht sein.

Der derzeit europaweit größte Hub (=Knotenpunkt) für FinTechs geht auf eine Initiative des Wirtschaftsministeriums zurück – bundesweit sind es zwölf für jeweils unterschiedliche Themengebiete. In Berlin teilt sich mit Frankfurt die Finanzszene. Der Fintech Hub “H:32” soll ein offenes Haus für alle, die sich für die Digitalisierung des Finanzwesens interessieren sein. Ein Ort, an dem sich internationale Investoren, Banken, Versicherungen und Fintechs treffen, arbeiten und voneinander lernen können.

Von der Stadt Berlin wurde die Start-Up-Schmiede “FinLeap” beauftragt, diesen Hub aufzubauen. Betrieben wird er vom Co-Working-Space-Anbieter “Scaling Spaces“. Neben FinLeap selbst sind auch von ihr gegründete Firmen eingezogen. Dazu gehören die Banking Plattform solarisBank, PAIR Finance, zinsbaustein.de oder FINREACH. Aber auch die eher “klassische” Direktbank DKB ist eingezogen.

H:32 (Hardenbergstraße 32) stehen insgesamt 11.000 Quadratmeter zur Verfügung, unter anderem auch für Veranstaltungen mit mehreren hundert Teilnehmern.

Nebenbei: die Berliner Bank gibt es inzwischen nicht mehr – sie wurde mit 67 Jahren von der Mutter “Deutsche Bank” in Rente geschickt. Die vor 10 Jahren wahrscheinlich noch selbstsicheren Banker arbeiten inzwischen nicht mehr in dem Gebäude. Sie wurden von Start-Ups verdrängt. Wir leben in Zeiten, wo N26 in kurzer Zeit 1 Million und Revolut gar doppelt so viele Kunden gewinnen konnten – nur mit Software.

H:32-firmen

Die Firmen in H:32

N26: Das Erwachen nach dem Hype?

Number26 (inzwischen N26) war frisch und neu. Ein FinTech hat den etablierten Banken gezeigt, wie einfach Girokonto für den Kunden sein kann. Inzwischen ist das FinTech zu einer Bank geworden, hat aber offensichtlich deutliche Defizite beim Kerngeschäft einer Bank: Sicherheit, Service und sogar die ordnungsgemäße Buchführung.

Die Sicherheit

Im letzten Jahr kamen die ersten Negativschlagzeilen: N26 kündigte von sich aus Kunden und hat die Gründe dafür extrem schlecht kommuniziert. Dazu kamen erste Hinweise auf vermeintliche Sicherheitsmängel. So konnte man im Februar über per NFC auslesbare Umsätze bei der Kreditkarte lesen. Der GAU mit echten schweren Sicherheitsmängeln wurde dann bei der 33C3-Konferenz zur Jahreswende in Hamburg aufgedeckt. Diese sollen zwar inzwischen geschlossen sein, aber alleine die Art der Lücken lässt den Kunden mit einem sehr unguten Gefühl zurück. So wurden banalste Sicherrheitsmechanismen nicht implementiert. Dazu hat die Reaktion der Bank auf die Ausnutzung von Lücken vollkommen versagt. So konnte Vincent Haupert, der die Lücken aufgedeckt hat, über eine ungesicherte iOS-Siri-Schnittstelle in 30 Minuten 2000 Transaktionen á 0.01€ ausführen, ohne das sein Handeln von N26 unterbrochen wurde. Nach über 3 Wochen(!) hat N26 erst den Kontakt gesucht und wollte das Konto sperren. Dummerweise ist man aber nicht auf den Verursacher zugegangen, sondern auf den Empfänger. Der hat aber logischerweise daran gar keine Schuld.

Das Kerngeschäft: ordnungsgemäße Buchführung

Dazu kommen – anders kann man es leider nicht ausdrücken – Mängel bei dem 1×1 des Bankgeschäfts: der ordnungsgemäßen Buchführung. Eine harte Aussage, aber leider durch mein eigenes Konto nachweisbar.

Fall 1: Im März 2016 weist der Auszug erhebliche Mängel auf. Eine Buchung fehlt vollkommen, Tagessalden sind falsch und die Summen der Einzelbuchungen stimmen nicht mit der Endsumme des Auszugs überein. Zu diesem Zeitpunkt reagiert der Support noch relativ schnell – ich bekomme einfach per E-Mail einfach einen neuen Auszug zugeschickt. Eine Erklärung, das Eingeständnis eines Fehlers oder gar eine Entschuldigung bleiben aus.

Fall 2: Die Auszüge vom November/Dezember 2016 (das Konto wird inzwischen von der N26-Bank geführt) sind wieder fehlerhaft. In diesem Fall stimmt der Endsaldo vom November nicht mit dem Anfangssaldo vom Dezember überein. Es sind zwei vollkommen unterschiedliche Summen, die nichts miteinander zu tun haben. Die App stellt wenigstens den korrekten Saldo dar – aber der hat mit den beiden Auszügen zu tun.

Service

Am 16.01. habe ich die im Fall 2 geschilderte Abweichung gemeldet und dem Saldo widersprochen. Dazu gibt es die gesonderte E-Mail-Adresse balance-audit@n26.com. Die automatische Rückantwort lautet: “Wir melden uns so schnell wie möglich bei dir, im Moment kann es aber 4 – 5 Werktage dauern, bis du von uns hörst”. Zwei Wochen später habe ich immer noch nichts gehört.

Parallel dazu habe ich den Vorgang an die normale Hotline gemeldet. Hier gibt man keine zeitlichen Zusagen, sondern bekommt die Meldung “Im Moment erhalten wir viele Fragen zum Kontoumzug zu N26 Bank, deshalb kann es etwas länger als gewohnt dauern, bis wir dir antworten. Aber keine Sorge, Hilfe ist unterwegs!” zurück. Auf die Hilfe warte ich bis heute. Eine Antwort wird sicherlich noch lange Zeit ausbleiben – eine weitere offene Supportanfrage vom 13.12.2016 ist bis heute unbeantwortet.

Ins dieses Bild passt, dass eine von der Presseabteilung angeforderte Stellungnahme vom 03.01.2017 zum Thema Sicherheit und Differenzen bei Kontoauszügen vollkommen unbeantwortet blieb. Hier gibt es noch nicht einmal eine automatische Antwort. Gerne hätte ich die Sichtweise von N26 hier ebenfalls dargestellt – neben den von der Homepage für jedermann sichtbaren allgemeinen Aussagen.

Definitiv bin ich mit meinen Erfahrungen zum Support aber nicht alleine – das kann man im Netz schnell nachlesen.

Fazit

Eigentlich kann ich niemandem empfehlen, einer Bank, die die Grundbegriffe des Banking nicht im Griff haben, das eigene Geld anzuvertrauen. Im Sommer 2016 bezeichnet der Stern N26 als “hippestes Institut in Europa”. Wenn das bedeutet, dass eine schicke Oberfläche und eine einfache Umsetzung zu Lasten von Sicherheit, Basisfunktionalität und vor allem Service geht, dann ist eine “konservative Bank” sicherlich auf Dauer besser aufgestellt.

Number26 hat beim Start eindrucksvoll gezeigt, wie einfach ein Girokonto funktionieren kann. So ist es die beste Werbung gegen FinTechs und für die etablierten Banken. Diese werden nach und nach die innovativen Funktionen in ihr sicheres und zuverlässiges Banking integrieren. Der Abstand von N26 wird größer – vor allem, wenn N26 hier nicht schnellstens dazu lernt.

Egal, ob ich hier über einen Einzelfall berichte. Oder ob das Problem viele Kunden betrifft und diese es vielleicht gar nicht bemerken, weil der Kontoauszug in N26 nicht mehr im Fokus steht und in der App nur über kaum sichtbare Wege angezeigt werden kann. Falsche Summen dürfen bei einer Bank nicht vorkommen. Und wenn, dann sollte eine Bank in der Lage sein, schnell und angemessen auf solch einen Vorfall zu reagieren. Nicht zu reagieren auf einen Widerspruch wegen offensichtlicher Rechenfehler ist ein Unding im Bankgeschäft. Jede normale Innenrevision würde in Hektik verfallen.

Update 16.01.2017

Da N26 sich scheinbar des Falles nicht annehmen will, ist inzwischen ein Schreiben an die BaFin gegangen. Mal sehen, ob sich jetzt etwas tut.

Update 09.02.2017

Inzwischen hat sich der Support gerührt, sich für die verspätete Antwort entschuldigt und mir einen “vorläufigen Auszug” seit Beginn der Bankverbindung zugeschickt. Damit sind aber die juristisch zugestellten falschen Auszüge weder korrigiert noch wurde überhaupt auf das Problem Bezug genommen – auf meinen eingereichten Widerspruch wurde auch nicht eingegangen. Nun ist der Fall bei einer Fachabteilung. Zusammengefasst: mehrere falsche Auszüge sollen durch die Zusendung eines vorläufigen Auszuges korrigiert werden. Ein Widerspruch bleibt unbeachtet.

Update 28.02.2017

Nun gab es einen neuen, juristisch gültigen Auszug für die betroffenen Monate. Die Begründung: “Es lag ein allgemeiner Fehler bei der Erstellung der Kontoauszüge vor, den wir nun behoben haben.”. Es ist schon sehr bedenklich, wenn eine Bank bei einer der Kernfunktionen so versagt und dann fast drei Monate benötigt, um dieses Problem zumindest in der Außenwirkung in den Griff zu bekommen. Und dabei in der Kommunikation auch noch vollkommen versagt.

Update 01.08.2017

Gestern kam dann die Stellungnahme der BaFin – bzw. der N26 an die BaFin: “Danach sei dies darauf zurückzuführen, dass nahe am Monatsende getätigte Kreditkartenverfügungen zwar zur Blockade des autorisierten Betrages führten, dessen tatsächliche Abverfügung jedoch erst mit Einreichung des Händlerbeleges. Diese läge zum Zeitpunkt der Erstellung des Kontoauszuges für den Folgemonat in machen Fällen noch nicht vor und verursache die von Ihnen monierte Abweichung. Seit dem 13.02.2017 sei das Programm zur Erstellung von Kontoauszügen zur Vermeidung von Saldenabweichungen umgestellt worden”.
Was verstehe ich daraus? Bis Februar war einer zugelassenen Bank offensichtlich der Unterschied zwischen einer juristischen Buchung und einer Autorisierung nicht klar. In einer App sofort die Autorisierung anzuzeigen – das ist Kundenfreundlich. Sie darf dadurch aber auf einem juristischen Auszug verarbeitet werden. Nach wie vor finde ich es unverständlich, dass weder die Hotline noch die Innenrevision auf entsprechende Hinweise reagiert haben, sondern erst eine Anfrage über die BaFin scheinbar Bewegung  gebracht haben. Nebenbei ist die Antwort der N26 am 14.02.2017 an die BaFin gegangen. Man hat also schnell auf die Eingabe reagiert und auch die Änderung entsprechend schnell umgesetzt. Wer sich noch mal den zeitlichen Verlauf ansieht, stellt fest: ohne eine BaFin-Beschwerde wäre fraglich gewesen, wann die Bank (und ob überhaupt) den Sachverhalt geklärt hätte.

solarisBank kopperiert mit Mastercard

Mastercard kooperiert mit Berliner Fintech – oder umgekehrt?

Letzte Woche berichtete zeit.de im Bericht “Mastercard kooperiert mit Berliner Fintech“. Gemeint war die SolarisBank, über die hier schon berichtet wurde.

Der Kreditkartenanbieter will sich mit der Berliner Solarisbank zusammentun, um ihren Kunden künftig leichter eigene Kreditkarten und mobile Zahlungsmöglichkeiten anbieten zu können.“, so zeit.de.

Die solarisBank hat zum Geschäftsmodell, Banking als technologische Bausteine Dritten zur Verfügung zu stellen. Das Besondere daran: das Unternehmen hat eine Banklizenz. Damit existiert ein Vorsprung gegenüber Wettbewerbern. Die etablierten Banken haben entweder eine eigene IT oder bedienen sich eines Gemeinschaftsrechenzentrums. Diese Leistung Dritten anzubieten, haben sie bisher gar nicht oder nur unzureichend geschafft. solarisBank hingegen baut schrittweise ein Banking auf und bietet dies über IT-Schnittstellen jedem Dritten an, der Banking-Module benötigt – so autoscout24.de als jüngstes Beispiel. Als Endkunde kann man bei solarisBank kein Konto eröffnen.

Die meisten am Markt operierenden FinTechs und Dienstleister haben genau hier ihre Schwierigkeiten. Sie bauen innovative Banking-Leistungen auf, benötigen aber im Hintergrund immer noch eine Bank zur Abwicklung. N26 (bisher Number26) ist hier das beste Beispiel – bisher war es die Wirecard Bank. Dieses Jahr hat N26 eine eigene Banklizenz erworben. solarisBank hat also gute Chancen, mit ihrem Geschäftsmodell erfolgreich zu sein. Immer mehr Drittdienstleister benötigen zuverlässige Bankdienstleistungen, ohne gleich den hohen Aufwand für eine Banklizenz betreiben zu wollen.

Nun hat solarisBank seine Dienstleistungen um einen weiteren Baustein mit dieser Kooperation erweitert und kann Kreditkarten ausgeben und die entsprechenden Zahlungen abwickeln. Sie verschafft sich damit Zugang zu über 43 Millionen Akzeptanzstellen in 210 Ländern.

Mastercard hat zunächst einen weiteren Emittenten hinzugewonnen. „Wir sehen das Innovationspotential der solarisBank und das starke Engagement, sich den Innovationen im globalen Banking-Markt zu verschreiben. Für uns ist es sehr spannend, mit einem jungen und visionären Banking-Unternehmen gemeinsam innovative digitale Lösungen zu entwickeln.“, so wird der Vice President von Mastercard, Dr. Andreas Spengel, zitiert.

Spannend wird zu beobachten sein, welches der beiden Unternehmen hier tatsächlich die meisten Vorteile aus der Kooperation ziehen wird. Mastercard könnte austauschbar gegen einen anderen Anbieter sein – aber gilt das auch umgekehrt? Mindestens hätte die Überschrift aber lauten müssen “solarisBank und Mastercard kooperieren”.

Inzwischen hat solarisBank auch die Marke überschritten, mit ihren Module über eine Million Endkunden zu erreichen, so berichtet das IT Finanzmagazin.

Bargeldhandling ohne Filialen

Number26Der Ansatz, den Number26 (ich hatte schon mal berichtet) sich überlegt hat um die Anforderung des Bargeld-Einzahlens umsetzen, ist ebenso einfach wie gut:

Einfach in der App die Transaktion starten (wieviel möchte ich einzahlen?), beim Lebensmitteldiscounter Penny, real oder anderen Partnern an die Kasse gehen und das dort Geld direkt aufs Konto einzahlen. Genauso einfach geht auch das Auszahlen, zusätzlich zum bisherigen Weg des Geldausgabeautomaten.

Auszahlen an der Supermarktkasse ist nichts wirklich Neues. Das bieten bereits viele Discounter als eigene Dienstleistung gegen Vorlage der ec-Karte an. Hier hat sich aber eine Bank (oder ein FinTech) Kooperationspartner gesucht, und Ein- und Auszahlung sehr einfach für den Kunden umgesetzt – CASH26 heißt der Service.

Und wieder mal ein Beispiel dafür, dass Banking auch anders und einfach funktionieren kann. Im Weltbild der etablierten Banken gehört der Bargeldtransfer immer in die eigene Hand – maximal kooperiert man mit anderen Banken. So heißt Bargeld immer Filiale oder Geldautomat. Nach meinem Wissen ist noch keine Bank wirklich so weit gekommen, ihren Kunden echte Alternativen dazu anzubieten – oder gibt es Beispiele?

Number26: Ich hätt gerne mal schnell ein Girokonto

Number26“Girokonto in 8 Minuten” – so wirbt Number26 – oder auch mitdem Slogan “Europas modernstes Girokonto”.

Tatsächlich ist die Einrichtung schnell gemacht und sehr komfortabel – wenn man denn darf. Aktuell muss man sich auf der Homepage registrieren und bekommt per E-Mail Bescheid, wenn man dran ist – virtuelles Schlange stehen. Das kann ein pasr Tage dauern. Nachvollziehbar, weil man nicht überrannt werden und dem Kunden ein positives Erlebnis geben möchte. Da die Verifizierung per Videotelefonat geschieht, sind natürlich auch die Anmeldekapazitäten beschränkt.

Wie läuft das Ganze nun ab, wenn man einen Link bekommen hat? Man registriert sich mit wenigen Schritten auf der Homepage und gibt seine Daten an. Dann wird man per Videotelefonat auf dem Mobiltelefon angerufen und die Daten werden verifiziert. Das Ganze läuft sehr komfortabel und professionell ab; es wird irgendwann auf die Rückseitenkamera umgeschaltet, man hält den Ausweis vor die Kamera, muss etwas wackeln damit das 3D-Wasserzeichen sichtbar wird und schon hat man ein neues Girokonto. Wer das nicht möchte, der kann auch den bekannten Weg des Postidents gehen – das dauert dann eben nur länger als 8 Minuten.

Anschließend hat man Zugriff auf sein neues Konto und gleich eine IBAN/BIC ZUR Verfügung. Für die Erstbefüllung muss man etwas vom bestehenden Girokonto überweisen – oder zahlt bei einer anderen Bank bar ein, was meist unangenehme Gebühren mit sich bringt.

Keine drei Tage später ist die Kreditkarte im Briefkasten, deren PIN man sich bei Anlage des Kontos selbst vergeben kann – sehr komfortabel. Die Karte kurz in der App freischalten und man kann sie sehr komfortabel “konfigurieren”:
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Nutzt man die Karte nun zum Bezahlen, bekommt man sofort mit der Transaktion eine Nachricht von der App auf dem Handy (sehr cool) und die Zahlung ist einer Kategorie zugeordnet.

So hat man eine sehr strukturierte Übersicht über die Ausgaben:

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Insgesamt wirkt die Anwendung rund und stimmig.

Kosten? Alles komplett kostenfrei – keinerlei Kontoführungsgebühren, kostenfreie Kreditkarte, weltweite kostenfreie Bargeldabhebungen und weltweit ohne Fremdwährungskosten bezahlen. Man verdient nach den Aussagen von Number26 an den Provisionen bei den Kreditkartenumsätzen. Das scheint glaubhaft, gibt es doch genug ähnliche Beispiele am Markt.

Und die Sicherheit? Number26 arbeitet mit der Wirebank AG zusammen, die eine deutsche Banklizenz besitzen. Damit existiert eine Einlagensicherung wie bei jeder anderen deutschen Bank.

Der derzeitige Leistungsumfang kurz dargestellt:

  • Ein vollständig mobil bedienbares Girokonto mit Nachrichten über Geldeingänge und Zahlungen direkt am Smartphone in Echtzeit.
  • Verfügbar auf Android und iOS.
  • Nutzbar auch im Browser.
  • Kleine Finanzverwaltung integriert durch automatische Zuordnung der Zahlungen zu Kategorien (manuell änderbar).
  • Klassische SEPA-Überweisungen direkt am Handy
  • Geld versenden per E-Mail oder SMS (“Moneybeam”). Der Empfänger muss dabei kein number26-Kunde sein, sondern nur eine SEPA-Bankverbindung haben.
  • Die Zahlungen von der Mastercard werden direkt dem Konto belastet, es kann nur aus dem Guthaben verfügt werden.

Fazit: Number26 zeigt, wie Kontoeröffnung und -führung heute gehen sollten. Mehr als Girokonto und Kreditkarte auf Guthabenbasis bekommt man aber unterm Strich nicht. Es ist aber sicherlich nur eine Frage der Zeit, wann das Angebot erweitert wird.