Banken: Rückzug oder Attacke?

Oder auch “Schließen ist keine Wachstumsstrategie” tituliert die Wirtschaftswoche gestern in einem Artikel. Die Commerzbank kann inzwischen erste Erfolge mit ihrem Strategiewechsel im Privatkundengeschäft verzeichnen.

Zunehmende Digitalisierung und abnehmende Zinsmargen scheinen nicht mehr auszureichen, um die Filialstruktur aufrecht zu erhalten. So will die Deutsche Bank auf ein Drittel ihrer Filialen verzichten, die Hypovereinsbank will gar auf fast die Hälfte reduzieren. Auch bei den Sparkassen und Volksbanken stehen Filialen zur Disposition. Die Commerzbank zeigt, dass Bankgeschäft scheinbar nach wie vor auch mit Filialen funktionieren kann.

Ganz im Gegenteil: es ist ein gefährlicher Weg, die Kontaktpunkte zum Kunden aufzugeben. Die Banken haben inzwischen mit massiver Konkurrenz zu kämpfen. Das ist an sich nichts Neues und zeichnet sich seit Jahren ab. Dummerweise haben sich die Filialbanken aber hauptsächlich auf ihren Hauptmitbewerber Direktbanken (und umgekehrt) fokussiert. Dabei hat man aus den Augen verloren, dass es viele weitere (neue) Player gibt, die das Kerngeschäft nach und nach angreifen. Der Zahlungsverkehr ist nach meiner Meinung nur der Anfang und scheint im Moment schon verloren zu sein. Viele FinTechs zeigen, wie schnell Alternativangebote bereitstehen und der Bank das Leben schwer machen können. Irgendwann werden auch die noch lukrativen Provisionsgeschäfte von anderen abgegriffen werden. Beispielsweise könnte ein Anbieter auf dem Markt auftauchen, der die gesamte Prozesskette vom Immobilienkauf von der Kaufabwicklung bis hin zur Finanzierung inkl. der Einbindung dritten Beteiligten, z.B. Notar und Finanzamt. Wer geht dann noch zur Sparkasse um die Ecke und fragt nach einem Bausparvertrag?

Die Technik würde es heute schon möglich machen, solche Modelle anzubieten. Hoffen wir mal, dass die Banken das allgemeine Klagen über die Digitalisierung als Konkurrenz einstellt und endlich aktive neue Geschäftsmodelle startet.

Kommen wir zu den Filialen zurück. Anstatt festzustellen, dass Filialen unwirtschaftlich sind (was zweifelsohne in nicht wenigen Fällen wirklich so ist), könnte man anstatt der Schließung auch die Filialstrategie ändern.

Es gibt inzwischen einige Beispiele, dass Filialen ganz anders aussehen können und dann plötzlich wieder erfolgreich sein können. Wer sich inspirieren lassen will: das ING DIRECT Café in Toronto ist solch ein Beispiel: Bankdienstleistungen, Café und Co-Workingspace in einem. Scheinbar wird das Modell von den Menschen angenommen, zumindest lassen die 4.5 von 5 Sterne bei Yelp darauf schließen. Unterm Strich ist es auch vollkommen egal, wie sich die Filiale dann trägt (also ob das Kerngeschäft “Bank” die Hauptfinanzierung ist). Würde Tchibo auch heute nur noch Kaffee verkaufen, es gäbe längst keine Filialen mehr.

photo-1429042007245-890c9e2603afDie Banken warten auf das Licht am Ende des Tunnels. Das Licht existiert durchaus, allerdings sind sie noch nicht einmal im Tunnel drin, sondern fahren geradewegs drauf zu. Für viele scheint die Strategie zu sein, lieber nicht ins dunkle reinzufahren – man weiß ja nicht, was kommt. Dummerweise gibt es kein zurück, die Straße wird von hinten abgerissen.

Banken sollten schnellsten mit dem Prozess der Veränderung ihrer Geschäftsstrategie anfangen – eine Alleinstellung am Markt wie sie früher der Fall war gibt es schon lange nicht mehr. Und das Argument der Vertrauenswürdigkeit hat bereits in der Bankenkrise gelitten und wird durch die Schlagzeilen der Deutschen Bank auch nicht gerade optimiert. Noch ist die Finanzkraft da, in neue Modelle zu investieren. Ideen gibt es genug, wenn man sich umschaut.

„Kein ‘Weiter so’ für deutsche Banken“

So schreibt das Handelsblatt Online am 11.05.2015 und bezieht sich dabei auf eine Studie der Boston Consulting Group.

Niedrige Zinsen und die zunehmende Digitalisierung können die Erträge in den nächsten fünf Jahren um bis zu ein Viertel einbrechen lassen. Beim Filialkapazitäten sind nach der Studie 30 bis 50 Prozent zu erwarten. Das Fazit: eine reine Kosteneinsparung wird nicht mehr ausreichen – parallel muss in digitale Projekte investiert werden. Eine genannte Variante ist die Investition in Start-Ups (ein schönes Beispiel dafür ist die Kooperation zwischen der DKB und Cringle – Bericht hier).

Dazu muss aus meiner Sicht aber erst einmal bei den Banken eine neue Offenheit einkehren.

Die Start-Ups dürfen zum einen nicht nur als unliebsame (und vielleicht nicht Ernst zu nehmende Konkurrenz) angesehen werden. Sie liefern interessante Ideen und vielleicht auch vollkommen neue Geschäftsmodelle für die Banken.

Zum zweiten müssen die Banken sich davon verabschieden, dass ihr bisheriges Kerngeschäft auf Ewigkeiten zum Erhalt des Unternehmens beitragen wird. Man ist aktuell immer noch auf das klassische Bankgeschäft fokussiert. Damit dreht sich auch die Innovation in diesem Kreis.

Dabei gibt es genügend Beispiele von Unternehmen, die sich plötzlich in einem ganz anderen Gebiet am Markt etabliert haben:

  • Ein Kaffeehersteller, der inzwischen mit Kaffee nur noch einen Bruchteil seines Umsatzes macht (Tchibo).
  • Ein Industrieunternehmen, welches zu einem der größten Mobilfunkanbieter wird (Mannesmann D2 – inzwischen Teil von Vodafone).
  • Automobilhersteller, die eine Banklizenz erworben haben und eigene Banken gegründet haben.
  • Ein Bergbauunternehmen, welches sich durch Zukauf zum europaweit erfolgreichsten Reiseanbieter gewandelt hat (TUI – vormals Preussag).
  • Neben Obst und Konserven werden Kreditkarten angeboten (die britische Supermarktkette J. Sainsbury) und damit werden die Kunden im margenschwachen Lebensmittelgeschäft gebunden.

Warum sollte also eine Bank nicht auch Obst und Konserven verkaufen? Sicherlich ist das nicht die erste Wahl der Diversifikation des Geschäfts – aber gibt sicherlich viele Beispiele, an die eine Bank im ersten Schritt nicht gleich denkt (oder besser: denken kann) und die durchaus überlegenswert sind.

Immer mehr und neue Unternehmen haben Ideen, wie sie klassische Bankdienstleistungen mit anbieten können. Zeit auch für Euch zum Umdenken, kooperieren und investieren, liebe Banken!

Banken: sind die großen IT-Tanker “out”?

Banker und auch deren IT-Dienstleister stecken in einer gedanklichen Klemme. Sie haben seit Jahrzehnten gelernt, dass sie Sicherheit und Vertrauen nur in einem geschlossenen Kreislauf darstellen können. Es wurden große proprietäre Bankenverfahren entwickelt, die in sicheren und abgeschotteten Netzen betrieben werden. Doch die Kunden wollen mehr und stellen die Banken damit vor die Herausforderung, dass Ihnen der Spagat zwischen diesen unbeweglichen Tankern und den Anforderungen des Marktes immer weniger gelingt.

Egal, ob es die Nutzung mobiler Endgeräte, die nahtlose Anbindung an soziale Netzwerke oder die Schaffung neuer innovativer Geschäftsmodelle ist – immer ist die Umsetzung mit den bestehenden Bankverfahren schwierig und bedarf teilweise jahrelanger Entwicklungen. Oft genug ist der Zug dann schon längst abgefahren.

Andere Anbieter, die sich deutlich weniger Gedanken um Sicherheit und Vertrauen machen, erstellen Anwendungen und Tools, die von den Anwendern aufgrund ihrer Einfachheit akzeptiert werden. Wenn überhaupt, dann versucht die Bankbranche, diese Tools zu kopieren und baut wieder ein proprietäres eigenes System. Aktuelles Beispiel ist dabei der Versuch der deutschen Banken, PayPal zu kopieren und als eigene Lösung zu etablieren. Mit weniger Funktionen gegen einen extrem großen Marktanteil mit weiteren Playern wie Apple, Google und Facebook mit einer eigenen Lösung angehen zu wollen, scheint zumindest ein extrem schwieriges Unterfangen zu sein.

Obwohl die Rechenzentralen mit ihren Kernbankverfahren ausgereifte Systeme mit einer hohen Marktdurchdringung anbieten können (so sind z.B. alle Sparkassen in Deutschland mit “OSPlus” der Finanz Informatik ausgestattet, alle Volksbanken werden in den nächsten Jahren “agree21” der Fiducia & GAD IT AG haben), befinden sie sich in einem Innovationsdilemma: alles, was sie anbieten, ist auf die jeweilige Bankengruppe beschränkt – und jeder kämpft täglich für die Verbesserung seines eigenen Systems. Bei den Großbanken ist es nicht anders.

Innovation wird immer noch so verstanden, dass funktionale Verbesserungen für die Bank im Vordergrund stehen, wenn sie nicht durch regulatorisch nötige Änderungen “hinten herunterfallen”. Neue Technologien, wie z.B. Mobilgeräte, bindet man nur mit viel Mühe an.

Wie kann also ein Ausweg aussehen? Sehen wir uns dazu ein Beispiel aus der Welt der digitalen Konkurrenz an – Google Maps. Als dieses Produkt auf den Markt kam (übrigens “erst” 2005, also vor gerade einmal 10 Jahren), gab es diverse Tools, die Karten bereitgestellt haben. Sie waren in der Regel (Achtung, Parallele) proprietäre Systeme, die lokal auf dem Rechner zu installieren waren. Vom Leistungsumfang waren sie Google teilweise deutlich überlegen, sie konnten Routen planen oder auch Satellitenbilder auf diversen CD’s oder DVD’s bereitstellen – teilweise zu der Zeit ein großer Renner bei den Anwendern.

Heute ist Google Maps quasi der Marktstandard und bildet die Basis für eine riesige Anzahl von innovativen Anwendungen, die Google selbst niemals hätte selbst bereitstellen können. Die prorietären System auf dem eigenen Rechner braucht und will niemand mehr. Plötzlich hatten ganz viele Entwickler von Software Ideen, wie man Landkarten für die eigenen Anwendungen nutzen kann – inzwischen nennt man diese Kategorie “ortsbasierend”. Quasi alle wichtigen Anwendungen dieser Kategorie nutzen Google Maps. Doch was ist das große Geheimnis dieses Erfolges? Schlicht und einfach die “API” (Application Programming Interface) – eine Schnittstelle, über die jeder Anwendungsentwickler Google Maps ganz leicht in seine eigenen Applikationen einbinden kann.

Im Prinzip haben die Banken auch eine solche “API” – sie ist allerdings schon ziemlich alt und kompliziert anzusprechen: HBCI (Homebanking Computer Interface) bzw. FinTS (Financial Transaction Service) als Weiterentwicklung. Die Schnittstelle stammt zum einen aber aus einer Zeit, in der Homebanking am heimischen PC im Vordergrund stand und zum zweiten wird sie längst nicht von allen Banken angeboten. Oft gibt es für die Homebanking-Programme nur die Möglichkeit, die Daten vom Bildschirm automatisiert auszulesen – mit entsprechenden Fehlerquoten. Die Schnittstelle ist eben auch auf die hauptsächlichen Homebanking-Funktionen beschränkt: Umsätze und Salden abholen, Überweisungen beauftragen. Innovative Geschäftsmodelle lassen sich damit nicht aufbauen. Kundenfreundlich ist die Schnittstelle sowieso nicht und technisch ist das Ganze von aktuellen Standards weit entfernt, aber das würde zu weit führen.

Will im Vergleich dazu ein Entwickler auf PayPal-Daten in seiner Anwendung zugreifen, so geht das über die API relativ einfach. Der Kunde meldet sich innerhalb der Anwendung des (Fremd)entwicklers mit seinen PayPal-Zugangsdaten an, gibt PayPal einmalig die Berechtigung, die Daten an den Anbieter weiterzuleiten und das war es. So auf die Daten eines deutschen Bankkontos zuzugreifen: schlicht unmöglich.

Würde sich die Banken-IT nun über entsprechende API’s öffnen, könnten innovative Dritthersteller eigene Geschäftsmodelle auf Basis der bestehenden Kernbankverfahren aufbauen. Im Hintergrund würde ein (proprietäres) Bankensystem einen Zahlungsverkehr, eine Kreditabwicklung oder ein Wertpapiergeschäft abwickeln. Im Vordergrund beim Kunden läuft eine innovative Anwendung eines Drittherstellers.

Doch wo ist der Vorteil für die Banken? Man könnte denken, sie würden ja damit Drittherstellern überhaupt erst ermöglichen, ihr Geschäft anzubieten. Doch die Denkweise ist grundsätzlich falsch. Wenn ein solcher Service nicht allgemein zugänglich von den Banken angeboten wird, macht es jemand anders. Beispiele dafür gibt es inzwischen genug – dann wird eben im Hintergrund eine Schnittstelle von PayPal, Apple Pay, Google, Facebook oder (noch) kleineren Anbietern, wie z.B. Holvi (siehe auch diesen Beitrag) angesprochen. Durch eine Verweigerungshaltung wird die Innovation am Markt nicht gestoppt – diese Zeiten sind lange vorbei.

Ganz im Gegenteil – die Banken könnten mit der Abwicklung der Geschäfte im Hintergrund entsprechende Einnahmen erzielen. Dies ist die eigentliche Stärke der Banken: sichere und zuverlässige Abwicklung von Finanzgeschäften. Warum sollten diese Dienstleistung nicht auch andere Anbieter vermarkten.

Daneben könnten sie ihre eigene API’s nutzen, um selbst schneller am Markt reagieren zu können und neue Dienste quasi aus bestehenden Funktionen “zusammen zu mixen”. Die eigene Banken-IT wäre schneller und innovativer, weil nicht immer erst der Tanker auf neuen Kurs gebracht werden müsste, sondern man ein schnelles kleines Boot aussetzen könnte. So kann man auch leichter einmal neue Häfen ansteuern – im Zweifelsfall war das Invest überschaubar und ein Rückbau einer doch nicht benötigten Funktion könnte unterbleiben.

Es gibt bereits Banken, die dieses Problem verstanden haben und aktiv umsetzen: so haben die französischen Banken “Fédération Nationale du Crédit Agricole” und “Axa Banque” kurz nacheinander entsprechende API’s angekündigt. So hat die Axa Banque sogar einen Wettbewerb auf Basis dieser API in Höhe von 50.000€ ausgeschrieben, in der sie innovative Anwendungen auf Basis ihrer API sucht. Dort hat man verstanden, dass man es auf Dauer nicht aus eigener Kraft schaffen wird, für die Kunden immer die besten Applikationen zu bauen. Man holt sich Innovation von außen und öffnet sich damit für andere Anbieter.

Es wird Zeit, dass sich die deutschen Banken-IT-Anbieter schnell Gedanken dazu machen, wie sie ihre Systeme so öffnen, dass bei neuen Ideen am Markt die Anbieter bei einzubindenden Finanzdienstleistunggeschäften auf die APIs Ihrer Bank zugreifen können.

Was wäre es doch für die Banken für eine schöne neue Welt, wenn z.B. in einer Reisebuchung als Zahlungsmöglichkeit gleich “12 Monatsraten á x €” als Auswahlmöglichkeit bereit ständen und im gesamten Prozess nur der Reiseanbieter als ein Vertragspartner auftreten würde. Der gesamte Kreditvertrag inklusive der Abwicklung wird im Hintergrund vollautomatisch bei einem angeschlossenen Kreditinstitut im Namen des Reiseveranstalters abgewickelt, der in seinem System nur noch ein paar API-Aufrufe einbauen muss. Nach dem heutigen Geschäftsmodell der Banken müssen Reiseveranstalter und Bank entweder umständliche Schnittstellen mit hohem Aufwand bauen, und die Abwicklung erfolgt dann komplett durch die Bank – oder er gründet lieber gleich eine eigene Bank. Die Automobilhersteller haben es übrigens vor rund 20 Jahren so gemacht und betreiben heute fast alle eigene Banken, die für die etablierten Banken heute harte Konkurrenten sind.

Holvi: eine neue Bankverbindung, einen Online-Shop und die Buchhaltung in 3 Minuten

holvi

Ich hatte letztes Jahr im September das erste Mail über Holvi berichtet. Damals lag eine Ankündigung vor, inzwischen ist die Plattform in Deutschland freigeschaltet. Doch was ist das Besondere an diesem Tool? Ein Bericht von meinem ersten Test.

Kurz zusammengefasst: es ist ein Alternativmodell für kleine Betriebe oder Freiberufler zur klassischen Bankverbindung. Man bekommt eine neue Bankverbindung, eine frei wählbare Anzahl von Konten und dazu zum Start nach Bedarf einen Onlineshop, eine Spesenabrechnung, die Buchhaltung inkl. Auswertungstools und ein Modul zum Schreiben von Rechnungen. Alles ist natürlich miteinander verdrahtet.

Und wie läuft das Ganze nun ab?

Wenn man sich anmeldet, bekommt man direkt eine IBAN/BIC zugeteilt und kann loslegen. Die Prüfung der Personendaten ist zunächst nicht nötig. Man kann den Shop anlegen, Rechnungen schreiben und sogar Geld auf das Konto ohne Identitätsprüfung überweisen. Um weitere Funktionen nutzen zu können, muss man sich dann verifizieren. Dies passiert, indem man ein Passdokument und eine aktuelle Rechnung von einem Versorger hochlädt. Stellt sich die Frage, was die deutsche Abgabenordnung dazu sagt, die den Banken eine vollständige Legitimationsprüfung bei Kontoeröffnung auferlegt.

Was sofort gegenüber dem klassischen Bankkonto auffällt: die Vernetzung mit der E-Mail. Man bekommt schnell E-Mails mit Statusreports zum Konto (und den Buchhaltungsinformationen) und sieht sofort, wenn auf dem Konto etwas passiert ist – ohne sich erst in das System einloggen zu müssen. So sieht ein wöchentlicher E-Mail-Statusreport zum Konto aus: statusreport

In der Anwendung kann ich nicht nur alleine arbeiten, sondern auch Mitarbeiter mit verschiedenen Berechtigungen einrichten.

Mit dem Konto kommen verschiedene Funktionen automatisch dazu:

  • Online-Shop: Man kann einen einfachen Shop einrichten und hat gleich eine Bezahlfunktion. Kreditkarten, Sofort-Überweisung etc. sind automatisch mit dabei – in der aktuellen Phase ist dies auch der einzige Kostenpunkt. Von jeder Transaktion werden rund 3% einbehalten. Wer sich das anschauen will: https://holvi.com/shop/gumbishop/
  • Rechnungen: Man kann Rechnungen erstellen und direkt an den Empfänger per E-Mail zusenden lassen bzw. selbstverständlich auch als PDF drucken und auf klassischem Wege versenden. Das Konto kennt dann die gestellten Rechnungen und kann bei Zahlungseingang automatisch diesen der Rechnung zuordnen.
  • Spesen: Will man einem Mitarbeiter Spesen erstatten, kann man ihm einen einmaligen oder dauerhaften Link generieren. Der Mitarbeiter kann dann die Belege erfassen und hochladen – die Überweisung und Verbuchung ist dann nur noch ein Mausklick.
  • Buchhaltung: Man kann sämtliche Zahlungen vorher erstellten Kategorien zuweisen und diese sogar vorher budgetieren. Es wird ein auf den ersten Blick umfangreiches Set an Berichten mitgeliefert, die sofort benutzt werden können. Sogar Excel-Berichte sind dabei, so dass man die Daten dann selbst auch noch nach eigenen Bedürfnissen aufbereiten kann.
  • Zahlungsverkehr: Selbstverständlich geht das banale Kontogeschäft natürlich auch: Überweisungen ausführen, Geld auf das Konto einzahlen (auch per Sofort-Überweisung), Kontoauszüge ziehen usw.. Benötigt man ein neues Konto, so ist dies mit wenigen Klicks erledigt. Keine Wartezeiten, keine Unterschriften, sofort nutzbar.

Das sogenannte Dashboard gibt einem einen guten Überblick über die aktuelle Lage:Dashboard

Das ganze Angebot ist derzeit noch in einer ersten Startphase, macht aber schon einen ziemlich runden Eindruck. Sicherlich werden weitere Funktionen noch dazu kommen. Auch stellt man beim ersten Test fest, dass das Angebot noch nicht ganz “rund” ist. Wenn der Kunde beispielsweise bei einer Rechnung weniger als den geforderten Betrag bezahlt, kann man nichts stornieren, ausbuchen oder mahnen. Auch Schnittstellen zu anderen Systemen existieren noch nicht. Manche Masken haben noch ein paar finnische Inhalte. Aber solche Probleme werden sicherlich (zum Teil) angegangen und sich mit weiteren Versionen klären.

Die Idee an sich ist einfach sehr verlockend – man hat alles an einer Stelle und eine bisher für mich noch nicht gesehene Verzahnung des Bankkontos mit Zusatzfunktionen. Sicherlich kann man dies mit Lexware & Co. auch schon länger (und aktuell sicher umfangreicher) hinbekommen, hat aber immer die lästige Schnittstelle zum Bankkonto. Und man kann die Software nur mit lokaler Installation benutzen.

Die Frage ist natürlich, ob ich “mein” Geld dieser Firma anvertraue (sie haben eine Lizenz von der finnischen Bankenaufsicht) und wie es abgesichert ist. Die Frage stellt sich aber bei einer Firma PayPal genau so und wird von ganz vielen Shopbetreibern (vielleicht notgedrungen) mit “Ja” beantwortet.

Eines ist aber sicher: solche Modelle sind für den Kunden nach Klärung der grundsätzlichen Fragen extrem attraktiv. Und sie bieten bereits jetzt einen extremen Mehrwert gegenüber dem verstaubten Girokonto – die Banken können sich bei solchen Wettbewerbern warm anziehen.

Nebenbei: der Name “Girokonto” kommt übrigens aus dem Italienischen. “Giro” steht für “Kreis”, “Drehen” oder “Umlauf”. Der Begriff wird von den Banken aktiv benutzt (GiroKonto, GiroPay, GiroGo, etc.) und spiegelt damit auch leider die bisherige Ideenwelt der Banken wieder.

Dabei ist der in den Köpfen der Bankvorstände existente Zahlungsverkehr längst nicht mehr mit den Anforderungen des Marktes deckungsgleich. Das “Girokonto” braucht einen ganz neuen Blick, einen neuen Funktionsumfang und am besten auch gleich eine neue Bezeichnung!

Angriff auf Paypal ?!

So konnte man es vor Kurzem in lesen. Aber was bedeutet das konkret und welche Chancen haben die Banken damit tatsächlich?

Das manager-magazin.de titulierte vorgestern “Deutsche Banken greifen PayPal an“. Liest man sich den Artikel durch, ist die Hauptneuerung, dass die Sparkassen-Finanzgruppe sich nach einer Information des Manager Magazins an der Gesellschaft GIMB beteiligen wollen. Dies ist noch nicht einmal eine offizielle Verlautbarung der Sparkassen.

Doch was ist GIMB? Die “Gesellschaft für Internet- und mobile Bezahlungen mbH” wurde im Juni 2014 ins Handelregister eingetragen, hat ein Stammkapital von 150.000€, residiert im Haus der DZ-Bank in Frankfurt und beschäftigt sich “als Dienstleister der Banken der deutschen Kreditwirtschaft die Unterstützung bei Aufbau, Betrieb und Weiterentwicklung eines zukunftsfähigen Verfahrens für mobile Zahlungen und Zahlungen im Internet”. Anteilseigner sind

  • die Beteiligungsgesellschaft der privaten Banken (BGPB),
  • Deutsche Bank,
  • Postbank,
  • Commerzbank und
  • die genossenschaftliche DZ und WGZ-Bank.

Der Geschäftsführer wird von der DZ-Bank gestellt. Das Manager Magazin spricht von einer Kostenschätzung von 100 Millionen Euro beim Aufbau einer solchen Lösung.

Man will im Herbst diesen Jahres in die Pilotierung gehen und Ende 2016 in Produktion. Ende 2014 waren die Hoffnungen noch bei einer Freischaltung im Jahre 2015.

Ein Startup-Unternehmen würde sich bei diesen finanziellen Rahmenbedingungen alle Finger lecken. Ob die Eigentümerstruktur dazu geeignet ist, ein für den Verbraucher einfaches Einkaufserlebnis zu zaubern, kann man sich durchaus fragen.

Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass alleine die Größe eines Projektes in der Bankenbranche nicht unbedingt zu einem guten Ergebnis führt. Das allen noch im Hinterkopf präsente Beispiel der gefloppten Geldkarte läßt grüßen. Es gehört eben nicht nur zu einem solchen Projekt, eine technologisch perfekte Lösung zu bauen, sondern  vielmehr in die dann erst beginnende Vermarktung zu stecken. Die Geldkarte scheiterte letztendlich daran, dass man den Handel mit einer gewissen Überheblichkeit behandelt hat und es nicht geschafft hat, den Verbraucher von den Vorteilen zu überzeugen. Obwohl man im Herbst 2001 rund 55 bis 60 Millionen Geldkarten unter die Verbraucher gebracht hatte, waren gerade mal 0,1% der Umsätze im Handel nur über dieses Medium getätigt worden (Quelle: heise.de).

Hoffentlich versteht man es diesmal, dass der Schwerpunkt darauf liegen muss, einen Mehrwert sowohl für die Händler als auch für die Verbraucher zu schaffen. Und zwar einen Mehrwert auch gegenüber den anderen schon am Markt etablierten Zahlungverfahren. dazu gehört auf jeden Fall schon PayPal. Aber auch Apple Pay steht irgendwann in deutschland in den Startlöchern, Google will auch mitspielen und die Kreditkartenunternehmen selbst schlafen auch nicht.

Nicht unterschätzen sollte man die “Macht der Hardware”. Hätte Apple mit Apple Pay nur eine Software angekündigt, wären sie längst nicht so mit Aufmerksamkeit überschüttet worden. Das geniale an diesem System ist, dass die Kombination aus Hardware und Software die Umständlichkeit nimmt, die eine reine Softwarelösung erst einmal überwinden muss, um trotzdem sicher zu sein. Auch die Hürde für den Markteintritt ist quasi nicht da, weil mit dem Kauf des Handys alles betriebsbereit vorliegt.

Auch Google wird diesen Vorteil bald ausspielen können, auch wenn sie die Hardware nicht direkt in ihrer Kontrolle haben. Indirekt hat man schon längst die Hersteller mit den Vorgaben von Android im Boot.

Inzwischen etabliert sich Windows Mobile doch als Dritte Kraft im Markt der Mobilfunksysteme. Wem es entgangen ist: Microsoft kontrolliert inzwischen die Hardware auch fast vollständig. Und in Redmond wird man auch schon auf die Idee gekommen sein, dass der Zahlungsverkehr und die damit gewonnenen Daten eine lukrative Verdienstmöglichkeit sind.

Ich bin sehr gespannt, ob man es schaffen wird,

  1. für den Verbraucher ein einfaches, flexibles und trotzdem sicheres Verfahren (und nicht typisch deutsch ein sicheres Verfahren, was dadurch aber leider nicht ganz so einfach ist) und
  2. für die Händler ein kostenattraktives (sowohl was die Systemhardware als auch die Gebühren anbelangt) und zahlungsausfallsicheres Verfahren

zu schaffen und dann auch richtig zu vermarkten.

Ob hinter GIMB wirklich schon eine strategische Entscheidung steht oder nur eine me2-Strategie, kann gerade bei den Sparkassen in Frage gestellt werden. Hat man doch direkt nach der Ankündigung von Apple Pay vollmundig verkündet, das Verfahren bei der Einführung in Deutschland unterstützen zu wollen.

Nebenbei sollte ein solches Verfahren übrigens auch für die beteiligten Banken und deren Mitgliedsbanken (gerede für die Genossen und die Sparkassen ist dies wichtig) noch lukrativ und nicht nur Investitionsgrab sein Kleinigkeit! ;-)).

Banken im Dornröschenschlaf

“Die Banken befinden sich derweil im Dornröschenschlaf. Denn während sie erst langsam begreifen, was um sie herum passiert, arbeiten junge und kleine Unternehmen an Lösungen, die die Art wie wir heute mit Geld umgehen in Zukunft verändern wird.”, schreibt Maik Klotz in einem sehr lesenswerten Beitrag “Banken im Dornröschenschlaf und wie Startups den Banken das Geschäft madig machen” auf mobilbranche.de.

Er trifft damit aus meiner Sicht den Punkt und beschreibt in dem Artikel sehr schön die aktuellen Mitbewerber und die Geschäftsmodelle, mit denen sie die etablierten Geschäftsbanken angreifen.

Warum bauen die Geschäftsbanken eigentlich kein “PayPal”?

Neulich habe ich von einer Firma einen Betrag von 94,05€ zurückerstattet bekommen. Die Firma wollte offensichtlich einen guten Kundendienst bieten und hat das Geld direkt über PayPal ausgezahlt. Es handelte sich nicht um eine Rückbuchung einer PayPal-Zahlung, sondern die Erstattung eines bereits Wochen vorher per Banküberweisung bezahlten Betrages.

So gut es gemeint war, von den 94,05€ kamen nur 91,91€ bei mir an – PayPal war der Meinung, dass die Gutschrift auf meinem Konto eine Gebühr von 2,14€ rechtfertigte. Genau aus diesem Grund versuche ich seit langem bei Verkäufen über EBay PayPal nicht mehr als Bezahlungsweg anzugeben.

Man stelle sich nun mal vor, die Hausbank würde bei einer normalen Überweisung einen prozentualen Betrag in dieser Höhe einbehalten. Für die meisten Kunden wäre dies ein Grund, ihr Konto zu kündigen – man erwartet ja geradezu eine kostenlose Kontoführung.

Was also machen die Banken falsch, dass die Kunden offensichtlich bereit sind, bei PayPal horrende Gebühren zu bezahlen, ihrer Hausbank aber nicht? Ist es die monatliche Abrechnung und der dann vielleicht schockierend hohe Betrag – macht es PayPal ganz geschickt, dass gleich bei jeder Gutschrift etwas einbehalten wird? Ist es die Grundgebühr, die ein Kunde für ein Konto nicht bereit ist zu bezahlen? Sind die Banken selber schuld, weil sie sich mit dem Konkurrenzkampf gegenseitig das Leben schwer machen?

Vielleicht ist es vielmehr so, dass das “gute, alte” Girokonto trotz Online-Banking einfach noch nicht in der modernen Welt angekommen ist und der Kunde damit für den Service einfach nicht so viel bezahlen möchte.

Bei PayPal (stellvertretend für viele Bezahldienste) kann man sich mit ein paar Klicks anmelden und loslegen. Bei der Bank muss ich entweder persönich erscheinen oder per Postindent (oder einfachere Nachfolgelösungen) mich persönlich legitimieren.

Bieten die einfachen Dienste eine schnelle Nachricht über Zahlungseingänge, muss ich bei der Bank erst ins Online-Banking hineingehen um zu sehen, ob Geld angekommen ist. Als fortschrittlich gelten Institute, die per SMS benachrichtigen.

Schnellere Laufzeit haben die Banken inzwischen hinbekommen, oft ist das Geld am gleichen Tag da, meist spätestens am Folgetag. Aber von “sofort” sind sie noch weit entfernt.

Eine einfache Überweisung – ohne TANs oder anderes elektronisches Zubehör mitschleppen zu müssen, kennen Bankverfahren nicht. Bei PayPal und Co. öffne ich die App und gut ist es.

Nun kann man (und tut es auch) auf Bankenseite mit gesetzlichen Vorgaben (Abgabenordnung bei der Kontoeröffnung) und Sicherheit argumentieren. Offensichtlich interessiert den Kunden dies aber nur teilweise – wenn der Dienst zu kompliziert wird, kann er zwar sicher sein – aber gut ist er deswegen trotzdem nicht.

Aus meiner Sicht haben die Banken (bzw. deren IT-Dienstleister) beim Zahlungsverkehr den Markttrend vollkommen verschlafen. Sie bieten den alternativen Zahlungsdienstleistern ein vollkommen freies Feld – auf dem man offensichtlich doch gut verdienen kann. “Mit dem Girokonto kann man kein Geld verdienen” wird oft gejammert. Doch, es geht – schaut Euch mal im Markt um!

Es wird dringend Zeit, dass die (deutschen) Banken sich Gedanken über den Zahlungsverkehr machen und ihn modernisieren. Ansonsten braucht ihn bald kaum noch jemand.

Nebenbei: den Betrag habe ich bei PayPal zurückgebucht und mir über das Girokonto überweisen lassen. Ein solches Gebührenmodell mag ich nicht unterstützen 😉

Studie: Junge Bundesbürger schenken PayPal mehr Vertrauen als Privatbanken

Thorben Wengert  / pixelio.de

Thorben Wengert / pixelio.de

Zu diesem Ergebnis kommt eine nach eigener Aussage bevölkerungsrepräsentative Umfrage der Cofinpro AG unter 1000 jungen Bundesbürgern zwischen 18 und 34 Jahren.

Danach vertrauen nur 30 Prozent einer Privatbank, rund zwei Drittel dagegen dem Internet-Zahlsystem PayPal – inzwischen bei 96 Prozent Bekanntheitsgrad. Immerhin sind die Sparkassen und Genossenschaftsbanken beim Vertrauen noch vor Paypal angesiedelt.

Nähere Informationen finden sich auf der Webseite der Confinpro AG.

Es sollte den klassischen Bankhäusern doch zu denken geben, wie schnell ein Internetunternehmen ihnen beim klassischen Geschäftsmodell dazwischen funken kann. Immerhin kann PayPal inzwischen schon zu einem großen Teil den Zahlungsverkehr abdecken – und das zu durchaus nicht gerade geringen Gebühren. Scheinbar ist also das von den Geschäftsbanken und Direktbanken Kriterium der Gebühren gar nicht einmal so stark im Vordergrund wie angenommen. Vielmehr scheint die einfache Integration in die Zahlungsprozesse im Netz ein stärkeres Argument zu sein.

Nun spricht die Umfrage vom Thema “Vertrauen”. Verfolgt man die Medien und die teilweise sehr negativen Erfahrungen mit PayPal und der Sperrung von Guthaben nach “Gutsherrenart”, wundert dies doch schon stark. Wer dazu etwas mehr lesen möchte, sollte einmal die Begriffe “heise.de” und “Paypal” bei Google eingeben. Trotzdem ist scheinbar mehr Vertrauen vorhanden – bisher eigentlich “das Kapital” für die klassischen Geschäftsbanken.

PayPal ist sicherlich nur als ein beispiel für alternative Zahlungsdienstleister zu verstehen. Auch die anderen Größen wie Amazon und Google haben bereits eine eigenes Zahlungsverkehrsökosystem aufgebaut und sind weiter dabei. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese Unternehmen neben einem eigenständigen Zahlungsverkehr auch Kredite und vielleicht auch mehr anbieten werden. Sehr schnell stellt sich dann für die Bankbranche die Frage, wozu sie eigentlich noch benötigt wird. Es ist sicherlich nicht das erste Mal, dass die Banken sich einem neuen Wettbewerber stellen müssen. Aber inzwischen muss sie dringender denn je beantwortet werden. Die Banken werden gezwungen sein, sich neue Betätigungsfelder zu suchen. Und nicht nur das, auch in ihrem Kerngeschäft werden sie sich neu erfinden müssen.

Social Media in Banken

Die SocialBench GmbH hat in Ihrem Social Media Update 01/2014 die deutschen Banken mit dem internationalen Wettberwerb verglichen. Das Fazit: teilweise extrem hinten an, aber beim Aufholen deutlich stark (14,32% gegenüber 8% international).

Die beste Performance legt die Sparkassengruppe mit über 80.000 Fans hin. Die Volksbanken als direkte Mitbewerber finden sich noch nicht einmal unter den ersten 10 wieder. Der Durchschnitt liegt bei 14.248 Fans – international sind es stolze 677.928 Likes auf den Seiten. Schaut man sich die aktiven Fans an, so sind es in Deutschland im Schnitt 680 gegenüber 12.084. Logischerweise ist auch die Anzahl der durchschnittlichen Beiträge bei 38 (470).

Lediglich bei der durchschnittlichen Reaktionszeit sehen beide Gruppen mit 9h gleich schlecht aus. Geht man doch von einem Idealwert von maximal einer Stunde aus, ist hier noch deutlich Verbesserungspotenzial vorhanden und sichtbar, dass das Medium teilweise noch nicht verstanden wurde.

Weitere interessante Vergleichszahlen finden sich in der Studie.

Softwareentwicklung in der Zukunft

Wenn wir heute für Kunden Software entwickeln, dann handelt es sich noch oft um monolithische Systeme – in sich geschlossene Softwareprodukte für einen definierten fachlichen Use Case.

Eine grundlegende Änderung der Fachlichkeit führt oft zu umfangreichen Entwicklungsaufwänden oder gar Änderungen an der zu Grunde liegenden Softwarearchitektur. Die Änderungen können damit oft nur in langen zeitlichen Perioden und damit auch kostenintensiven Projekten umgesetzt werden.

Verstärkt wird das Problem durch die Anforderung, eine Software nicht mehr nur noch in klassischen Client-Server-Architekturen zur Verfügung zu stellen, sondern auf diversen mobilen Plattformen.

In einer Zeit der sich immer schneller wandelnden Anforderungen des Marktes sind die Unternehmen aber gezwungen, sich schnell an anzupassen. Die monolitischen System sind dabei hinderlich.

Was wird sich also in der Softwareentwicklung ändern? Schauen wir uns einmal in der sogenannten “Cloud” um. Dort finden sich diverse Beispiele.

Beispiel 1: Landlord
Landlord ist ein Spiel, welches Monopoly-ähnlich funktioniert. Der Spieler findet auf seinem Mobiltelefon die in seiner Umgebung befindlichen Lokationen, z.B. öffentliche Gebäude. Mit seinem Spielgeld kann er ein Gebäude “kaufen” und erhält Miete, wenn andere Mitspieler in seinem Gebäude sind. Spannend daran: das Spiel bedient sich der Lokations-Datenbank und des Check-In-Mechanismus von Foursquare. Will man sich neues Spielgeld kaufen, so werden Abrechnungssysteme anderer Hersteller genutzt. Die Kette verlängert sich, da Foursquare wiederum zum Aufbau seiner Lokationen in der Startphase auf Google Maps zugegriffen hat.

Beispiel 2: Salesforce
Salesforce ist als CRM-Tool hinlänglich bekannt. Es bietet eine Unzahl von API-Schnittstellen, mit der ein Entwickler seine Anwendung an das CRM-System anbinden kann. Ein Salesforce einsetzendes Unternehmen kann das CRM-System neben der üblichen Freiheit der individuellen Konfiguration also vollständig in seine Prozesse einbinden und ist nicht mehr gezwungen, sein CRM selbst zu programmieren.

Beide Beispiele zeigen, dass eine Software in Zukunft vor allem eines benötigt: Schnittstellen zu anderen Systemen – und zwar unternehmensübergreifend. Sicherlich spielen dabei Datenschutzerwägungen eine nicht unerhebliche Rolle, sind aber durchaus zu lösen.

Softwareentwicklung wird sich beschränken müssen auf die wirklichen unternehmensspezifischen Anforderungen und sich koppeln mit Systemen, die allgemeine Anforderungen bereits problemlos bereitstellen. So lassen sich massiv Kosten sparen, indem Standardfunktionen hinzugekauft werden und über eine Schnittstelle angesprochen werden können.

Nebenbei können die bisherigen Anbieter großer Softwareprodukte einen vollkommen neuen Markt erschließen.

Nehmen wir als Beispiel die großen Rechenzentren von Banken. Warum bieten sie keine flexiblen Schnittstellen in ihr Kernbankenverfahren an? Die Banken haben massive Abwanderungen vom Zahlungsverkehr zu Diensten wie PayPal oder den eigenen Bezahlverfahren der großen Anbieter wie Google oder Amazon zu verzeichnen. Was aber kann mir meine Volksbank oder Sparkasse anbieten, wenn ich dort nach einem entsprechenden Dienst anfrage? Nichts…

Und wenn ich dem Gedanken des guten alten Bankschließfaches folge und bei meiner Bank nachfrage, ob ich meine elektronischen Dokumente nicht auch dort hinterlegen kann? Dann gibt es höchstens einen unkomfortablen Dateiabload in einer kleinen Ecke des Homebankings mit einer unattraktiven Schnittstelle.

Oder warum bietet man den Kunden nicht eine sichere E-Mail an für alle Kunden bei einer Sparkasse oder Volksbank (immerhin haben die beiden Gruppen alleine schon einen extrem hohen Marktanteil – wenn man es anhand der ausgegebenen Karten rechnet, sind es rund 70% | Quelle: Bankenverband). Beste technische Voraussetzungen bei aktuell drei und zukünftig zwei Rechenzentren. Mit der Chance für die Banken, diesen Kanal gleich für ein Marketing mit zu benutzen.

Es gibt unzählige Beispiele, wie eine Bank ihr Portfolio zeitgemäß verändern könnte und damit nicht zusehen müsste, wie andere innovative Unternehmen ihnen nach und nach die Marktanteile und damit die Verdienstmöglichkeiten entziehen. Wahrscheinlich mangelt es gar nicht an Ideen. Nur die Umsetzung ist mit der heutigen IT so schwer durchzuführen, dass die Phantasie für solche neuen und innovativen Produkte einfach fehlt.