Das Unternehmen 2.0: Be social – Teil 3

Recruiting neuer Mitarbeiter

Viel wird vom aktuellen Fachkräftemangel gesprochen. Unter­neh­men werden es aufgrund des Rückgangs der Geburten immer schwerer haben, für sie geeignete Fachkräfte zu finden. Nicht mehr die Bewerber werden in Konkurrenz zueinander stehen, sondern die Unternehmen.

Die Bewerber werden sich die für sie attraktivsten Arbeitgeber aussuchen können. Dabei werden sie sich für Arbeitgeber entscheiden, die für sie attraktive Arbeitsbedingungen bieten können. Dies bezieht sich sowohl auf den eigentlichen Arbeitsplatz aber auch auf das grundsätzliche Selbstverständnis des Unternehmens – „Social Business“ ist gefragt.

Allein schon der Weg, um die attraktiven Mitarbeiter auf das eigene Unternehmen aufmerksam zu machen, verändert sich. Ist das Unternehmen schon nicht in den sozialen Netzwerken präsent bzw. präsentiert sich dort unzureichend, wird es zukünftig schwerer werden, einen potenziell interessanten Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

Nicht nur die Arbeitgeber nutzen die sozialen Netzwerke, wie z.B. XING, um sich neue Mitarbeiter im Vorfeld anzusehen. Umgekehrt nutzt aber auch der Bewerber diese Medien, um sich über seinen potenziellen neuen Arbeitgeber und die eventuellen neuen Kollegen zu informieren. Nur welches Unternehmen hier besteht, wird sich die interessantesten Mitarbeiter sichern können.

Recruiting interner Mitarbeiter

Nicht nur bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter werden die sozialen Netzwerke eine entscheidende Rolle spielen. Auch bei der Besetzung interner Stellen – sei es fachliche oder disziplinarische Positionen – wird das soziale interne Netzwerk einen entscheidenden Beitrag spielen können.

Aktuell wird eine frei werdende Stelle in Unternehmen meist aus der eigenen organisatorischen Einheit durch Nachrücken bzw. durch eine interne Ausschreibung besetzt. Oft wird in diesem Verfahren nur der zweitbeste Mitarbeiter gefunden und besetzt die neue Position.

Eigentlich müsste jedes Unternehmen daran interessiert sein, einen dynamischen und fachlich kompetenten Mitarbeiter zu finden. In einem modernen Unternehmen müsste dieses Profil mit einem Kollegen besetzt werden, der sich aktiv in dem firmeninternen Netzwerk beteiligt. Denn hier befindet sich die Schnittstelle zu den Kollegen und es baut sich der Wissenspool des Unternehmens auf. Nach einiger Zeit der Nutzung lassen sich also aus dem Netzwerk Mitarbeiter finden, die folgende Eigenschaften besitzen:

  • Bereitschaft zur Weitergabe von Wissen,
  • Kommunikatives Wesen,
  • Fachliche Kompetenz in einem Thema und
  • In der Lage, qualitativ hochwertige und hilfreiche Informationen zu Themenstellungen beizutragen.

Die Liste dieser Eigenschaften ließe sich beliebig verlängern. Genauso, wie ich in externen sozialen Netzwerken wie XING und Facebook mir einen Eindruck von einer Person verschaffen kann, ist dies natürlich auch im internen sozialen Netzwerk der Firma möglich. Selbstverständlich wird eine Stellenbesetzung nur aus diesen Daten keine sinnvolle Entscheidung sein. Hier gehört die Beurteilung weiterer Fakten, wie zum Beispiel die Fähigkeiten zur Personalführung und die eigentliche Persönlichkeit dazu. Wohl aber kann die (Nicht-)Aktivität im sozialen Netzwerk ein Beurteilungsfaktor sein.

Das Unternehmen 2.0: Die Mitarbeiter – Generationen und Werte

Insbesondere bei der in den Unternehmen nachwachsenden, jungen Generation stellt sich ein neuer Blick auf den Arbeitsplatz ein.

Der Arbeitsplatz ist nicht mehr ausschließlich geprägt durch den Blick auf die Karriere und das Fortkommen. Vielmehr wächst eine Generation heran, die Technologie als zweites Standbein ansehen (weil sie mit ihr groß geworden ist) und die mehr an Netzwerken interessiert sind als an einer Identität, die sich über das Unternehmen definiert. Das Netzwerk wird als Karrieremotor verstanden.

Nehmen wir als Verdeutlichung für die Veränderungen das Verhalten der heutigen älteren Schüler bei den Hausaufgaben.

Gab es früher Schwierigkeiten, so schaute man zunächst im Schulbuch nach. Vielleicht wurde der Brockhaus oder ein anderes vorhandenes Fachbuch zu Rate gezogen, vielleicht wurden auch die Eltern befragt. Alternativ wurde auch mal ein Klassenmitglied befragt, zu dem engerer Kontakt bestand.

Heute ist das Facebook das erste Mittel der Wahl. Die Schüler sind untereinander vernetzt. Bei auftretenden Fragen ist eine Kommunikation – und damit auch eine Lösung des Problems – schnell erledigt.

Und genau diese Art der Zusammenarbeit ist auch das, was Unternehmen im Grund genommen wollen und wonach sie seit Langem suchen: Schnelle und gute Lösungen statt perfekten Lösungswegen. Die junge Generation bringt diese Arbeitsweise mit.

Neben dieser „jungen Generation“ finden wir in Unternehmen die Generation der 35-49-jährigen, die eine unentbehrliche Quelle an Fachleuten bildet und die Generation 50+, die für Weisheit und das intellektuelle Kapital der Organisation stehen.

Oft wird die „junge Generation“ als die Generation der „digital natives“ bezeichnet, also der Menschen, die mit der Technologie aufgewachsen sind und deshalb automatisch vollkommen natürlich mit ihr umgehen. Diese Behauptung ist sicherlich genauso falsch wie die Behauptung, dass die Generation 50+ keinen Bezug mehr zu sozialen Netzwerken herstellen kann.

Richtiger ist deshalb sicherlich der Begriff der „digital residents“. Es handelt sich also Menschen, die sich bewusst oder unbewusst in der Digitalität angesiedelt haben und die Informations­technologie für sich nutzen. Diese „digital residents“ finden wir in allen Altersgruppen – wenn sie sicherlich auch bei der jungen Generation weiter verbreitet sind.

Einen deutlichen Unterschied aber kann man bei der jungen Generation erkennen: sie bringt andere Werte in das Berufsleben mit. Nicht mehr Geld und Macht stehen im Fokus. Es sind vielmehr interessante Aufgaben, die primär locken. Sicherlich stehen diese beiden Ziele nicht im Widerspruch – die Herangehensweise hat sich nur in den letzten Jahren stark verändert.

War es in der Vergangenheit so (oder ist es in der Gegenwart in vielen Unternehmen noch), dass Wissen auch Macht bedeutete. Wer also mehr Wissen als andere hatte, der hatte auch bessere Aufstiegschancen. Die mittlere und ältere Generation hat so noch das Berufsleben kennengelernt; die jüngere Generation geht hier anders heran. Wer Wissen teilt und weitergibt, zeigt seine Kompetenz und hat damit Aufstiegschancen. Somit ist auch eine Bereitschaft zum Teilen von Wissen vorhanden.

Nun trifft diese Bereitschaft auf Menschen der mittleren und älteren Generation, die den Umgang mit Wissen ihr ganzes Berufsleben anders gelernt und gelebt haben. Dies gilt aber nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Prozesse und Systeme. Wissen verteilt sich nach wie vor in den meisten Unternehmen klar strukturiert über die einzelnen Hierarchiestufen.

Nun wäre es ein denkbarer Weg, auf Hierarchien in Unternehmen zu verzichten – damit müsste auch das Problem der Wissensverteilung geklärt werden können.

So einfach wird es nicht sein, finden wir doch kein wirkliches Beispiel für Unternehmen, in denen es keine Hierarchien gibt und das gut funktioniert. Unsere Gesellschaft ist für ein basisdemokratisch aufgebautes Unternehmen nicht geschaffen.

Das Gegenteil ist der Fall: Hierarchien, Prozesse und Arbeitsplatzbeschreibungen schaffen Sicherheit und definieren die Schnittstellen, sowie die Verantwortungen.

Sie sind kein Zeichen für Kontrollsucht oder Furcht vor dem Loslassen. Sie sind aber auch kein Grund für eine hierarchische Verteilung von Wissen. Trotzdem muss auch klar bleiben, dass nicht automatisch jedes Wissen im Unternehmen für jeden zugänglich sein muss – es schwieriges Unterfangen.

Das Unternehmen 2.0 – Teil 3

Umdenken bei den Mitarbeitern

Auch für die Mitarbeiter ist der neue Kommu­ni­ka­tions­kanal eine Herausforderung. Genau wie bei der Ein­führung von E-Mail Regeln notwendig waren, wie der Um­gang mit Kunden am Telefon geschult wird, so ist auch der Umgang mit Social Media etwas zu Erler­nen­des.

Darüber hinaus sind die Mitarbeiter bereits oder werden noch privat sich in sozialen Netzwerken engagieren. Sie haben somit eine Doppelrolle als Mitarbeiter ihres Unternehmens und auch als Privatperson.

Das Unternehmen hat die Pflicht, beide Rollen des Mitarbeiters zu betrachten, da sich keine klare Grenze ziehen lässt. In vielen sozialen Netzwerken werden die Benutzer motiviert, auch den Namen ihres Unternehmens anzugeben. Damit sind sie in der Außen­wirkung plötzlich nicht mehr nur eine Privatperson, sondern auch als Mitarbeiter eines Unternehmens im sozialen Netzwerk sichtbar.

Fazit

Bei diesen Herausforderungen kann das Management sich schon die Frage stellen, ob die Teilnahme in einem sozialen Netzwerk sinnvoll ist. Dieser Punkt ist auch unter den Marketingexperten nicht eindeutig mit einer Zustimmung beantwortet.

Trotzdem stellt sich diese Frage nicht wirklich. Ein Unternehmen hat zwar (noch) auf den ersten Blick die Wahl, ob es eine eigene Seite in den sozialen Netzwerken gründen möchte.

Auf den zweiten Blick ist diese Wahl aber gar nicht vorhanden. Auch bei einer Unternehmensdarstellung im Web wird heute nicht mehr das Pro und Contra diskutiert – eine Webadresse gehört zu jedem Unternehmen heute so selbstverständlich dazu wie das Briefpapier auf dem sie im Impressum abgedruckt wird.

Lieber heute als morgen sollte ein Unternehmen sich den Unternehmensnamen bei den sozialen Netzwerken reservieren und dort präsent sein – bevor es andere tun.

Selbst wenn ein Unternehmen sich noch gegen einen aktiven Auftritt entscheidet – was über das Unternehmen und dessen Produkte in diversen Foren geschrieben wird, sollte bekannt sein. Ohne eine aktive Teilnahme kann auch nicht regulierend – im positiven Sinne – eingegriffen werden.

Und auch wenn das Management hier noch keinen Handlungsbedarf sieht – die Mitarbeiter tun es schon längst. Es gibt rund sieben Milliarden Menschen auf der Welt. Davon nutzen (wie intensiv auch immer) mindestens eine Milliarde Menschen Facebook. Es ist sehr wahrscheinlich, dass mindestens einer davon auch im betroffenen Unternehmen arbeitet. Und wie bereits dargestellt, ist eine Teilnahme eines Mitarbeiters in einem sozialen Netzwerk keine reine Privatsache.