Spanische CaixaBank: Wir bauen uns ein FinTech

Die spanische CaixaBank hat eine eigene Marke gegründet, die stark an das Modell des deutschen FinTechs Number26 erinnert: „imagin bank„.

Zielgruppe sind Menschen zwischen 18-35 Jahren. Caixa hat derzeit davon rund 2.9 Millionen im eigenen Bestand und erhofft sich dadurch weiteren Zuwachs in dieser Zielgruppe.

„Neu“ an diesem Modell ist, dass man nicht unter der bestehenden Marke der Bank einen neuen, einfacheren Service anbietet, Stattdessen nimmt man in Kauf, eine neue Marke im Markt zu etablieren – aber ohne „Altlasten“. Frisch und einfach ist das Motto der neuen Bank – sie ist rein auf die mobile Nutzung eingerichtet. Sie folgt – dem Marketing zufolge -diesen fünf Prinzipien:

  1. So einfach, wie man es erwartet. Alles, was man erwartet über eine mobile App (interessanterweise dann aber nur iOS und Android). Einfach zu nutzen und zu verstehen.
  2. Die elementaren Services sind kostenfrei. Dazu gehört eine Visa-Karte.
  3. Die Kunden und die Community sind wichtig. Alle Kunden sind gleich. Ein Teil des Profits wird in soziale Projekte investiert.
  4. Der Kunde setzt sich die Ziele. Die Bank unterstützt diese.
  5. Der Kunde ist immer geschützt. Er erhält direkt Nachrichten, wenn auf seinem Konto etwas passiert.

Das Angebot wirkt auf den ersten Blick ansprechend und kann sicherlich durchaus die Zielgruppe ansprechen. Im Gegensatz zu einem „echten“ Fintech sieht man aber doch an der ein oder anderen Stelle durchaus die klassische Geschäftsbank „durchschimmern“. Wenn man versucht, herauszufinden, welche Services denn nun wirklich kostenfrei sind, findet man man längerer Suche auf der Homepage tatsächlich einen entsprechenden Link. Es öffnet sich eine zwei DIN-A4-Seiten lange Tabelle, wo sich ein klassischer Banker mit Excel ausgetobt hat. Plötzlich ist die Einfachheit vorbei, denn der Kunde muss unterscheiden können zwischen Services von imagin und dem Mutterhaus. Konkrete Preise findet man aber auch in dieser Tabelle nicht.

Fazit: Ja, eine Bank kann ein FinTech gründen und dieses durchaus positiv umsetzen. Aber es gehört eine gehörige Portion Mut dazu, sich dann auch wirklich von der bisherigen Denkweise komplett zu lösen. Oder vielleicht ist es auch nicht nur fehlender Mut, sondern schlicht für einen eingeschworenen Banker unmöglich?

Jetzt komplett kostenfrei „cringlen“

Cringle, der Bezahldienst zwischen Privatpersonen (siehe Bericht) hat gestern die AGB’s zum 20.10.2015 geändert und seine Kunden darüber informiert – daraus geht hervor, dass Zahlungen zukünftig komplett kostenfrei sind. Dies wurde heute auch offiziell bestätigt. Gültig ist die Gebührensenkung ab sofort.

Der Dienst hat nach eigenen Angaben inzwischen 13.000 Nutzer und ist im Dezember letzten Jahres online gegangen. Mit diesem Schritt will man die Nutzerbasis  verbreitern. Schon in der Vergangenheit wurden den Nutzer freie Transaktionen angeboten.

Tatsächlich ist „cringeln“ sehr einfach: man lädt die App aus dem Store (iOS und Android), meldet sich über seine Mobilfunknummer an und hinterlegt ein Girokonto über das die Transaktionen belastet bzw. gutgeschrieben werden.

„Social Payment“ ist nach wie vor ein spannendes Feld und sicherlich auch in Deutschland ein Wachstumsfeld. Zumindest ist das US-Gegenstück „venmo“ durchaus erfolgreich. Allerdings haben die Amerikaner auch ein komplett anderes Zahlungsverhalten als die Deutschen.

Braucht man für den Zahlungsverkehr eine Bank?

In Europa eigentlich nicht, könnte die kurze Antwort lauten.

Seit November 2009 gibt es die Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD) der Europäischen Union, die inzwischen in nationales Recht umgesetzt wurde.

Die Richtlinie gilt für elektronische und bargeldlose Zahlungen aller Art, von Überweisungen und Lastschriften über Kartenzahlungen (einschließlich Kreditkarte) und Geldtransfers bis hin zu Zahlungen per Mobiltelefon oder Internet. Die Richtlinie gilt für Zahlungen in allen europäischen Währungen (nicht nur in Euro) vorausgesetzt, Auftraggeber und Empfänger der Zahlung haben beide einen Zahlungsdienstleister in einem der 30 Länder.

Durch die Richtlinie ist der Zahlungsmarkt geöffnet worden, da fortan auch andere Unternehmen als Banken (z.B. Geldtransfer-Anbieter, Einzelhändler und Telefongesellschaften) Zahlungsdienste anbieten dürfen. Zum Schutz Ihres Geldes werden diese neuen Institute einer Regulierung unterworfen. Diese Anbieter werden in der Richtlinie mit Banken und sonstigen Zahlungseinrichtungen unter dem Begriff „Zahlungsdienstleister“ zusammengefasst.

Ein Beispiel ist mein persönliches Lieblings-FinTech „Holvi“, welches der finnischen Bankenaufsicht unterliegt.

Mal sehen, wann die Großen, wie Google und Apple diese Möglichkeit erkennen.

Banken: Rückzug oder Attacke?

Oder auch „Schließen ist keine Wachstumsstrategie“ tituliert die Wirtschaftswoche gestern in einem Artikel. Die Commerzbank kann inzwischen erste Erfolge mit ihrem Strategiewechsel im Privatkundengeschäft verzeichnen.

Zunehmende Digitalisierung und abnehmende Zinsmargen scheinen nicht mehr auszureichen, um die Filialstruktur aufrecht zu erhalten. So will die Deutsche Bank auf ein Drittel ihrer Filialen verzichten, die Hypovereinsbank will gar auf fast die Hälfte reduzieren. Auch bei den Sparkassen und Volksbanken stehen Filialen zur Disposition. Die Commerzbank zeigt, dass Bankgeschäft scheinbar nach wie vor auch mit Filialen funktionieren kann.

Ganz im Gegenteil: es ist ein gefährlicher Weg, die Kontaktpunkte zum Kunden aufzugeben. Die Banken haben inzwischen mit massiver Konkurrenz zu kämpfen. Das ist an sich nichts Neues und zeichnet sich seit Jahren ab. Dummerweise haben sich die Filialbanken aber hauptsächlich auf ihren Hauptmitbewerber Direktbanken (und umgekehrt) fokussiert. Dabei hat man aus den Augen verloren, dass es viele weitere (neue) Player gibt, die das Kerngeschäft nach und nach angreifen. Der Zahlungsverkehr ist nach meiner Meinung nur der Anfang und scheint im Moment schon verloren zu sein. Viele FinTechs zeigen, wie schnell Alternativangebote bereitstehen und der Bank das Leben schwer machen können. Irgendwann werden auch die noch lukrativen Provisionsgeschäfte von anderen abgegriffen werden. Beispielsweise könnte ein Anbieter auf dem Markt auftauchen, der die gesamte Prozesskette vom Immobilienkauf von der Kaufabwicklung bis hin zur Finanzierung inkl. der Einbindung dritten Beteiligten, z.B. Notar und Finanzamt. Wer geht dann noch zur Sparkasse um die Ecke und fragt nach einem Bausparvertrag?

Die Technik würde es heute schon möglich machen, solche Modelle anzubieten. Hoffen wir mal, dass die Banken das allgemeine Klagen über die Digitalisierung als Konkurrenz einstellt und endlich aktive neue Geschäftsmodelle startet.

Kommen wir zu den Filialen zurück. Anstatt festzustellen, dass Filialen unwirtschaftlich sind (was zweifelsohne in nicht wenigen Fällen wirklich so ist), könnte man anstatt der Schließung auch die Filialstrategie ändern.

Es gibt inzwischen einige Beispiele, dass Filialen ganz anders aussehen können und dann plötzlich wieder erfolgreich sein können. Wer sich inspirieren lassen will: das ING DIRECT Café in Toronto ist solch ein Beispiel: Bankdienstleistungen, Café und Co-Workingspace in einem. Scheinbar wird das Modell von den Menschen angenommen, zumindest lassen die 4.5 von 5 Sterne bei Yelp darauf schließen. Unterm Strich ist es auch vollkommen egal, wie sich die Filiale dann trägt (also ob das Kerngeschäft „Bank“ die Hauptfinanzierung ist). Würde Tchibo auch heute nur noch Kaffee verkaufen, es gäbe längst keine Filialen mehr.

photo-1429042007245-890c9e2603afDie Banken warten auf das Licht am Ende des Tunnels. Das Licht existiert durchaus, allerdings sind sie noch nicht einmal im Tunnel drin, sondern fahren geradewegs drauf zu. Für viele scheint die Strategie zu sein, lieber nicht ins dunkle reinzufahren – man weiß ja nicht, was kommt. Dummerweise gibt es kein zurück, die Straße wird von hinten abgerissen.

Banken sollten schnellsten mit dem Prozess der Veränderung ihrer Geschäftsstrategie anfangen – eine Alleinstellung am Markt wie sie früher der Fall war gibt es schon lange nicht mehr. Und das Argument der Vertrauenswürdigkeit hat bereits in der Bankenkrise gelitten und wird durch die Schlagzeilen der Deutschen Bank auch nicht gerade optimiert. Noch ist die Finanzkraft da, in neue Modelle zu investieren. Ideen gibt es genug, wenn man sich umschaut.

Holvi: eine neue Bankverbindung, einen Online-Shop und die Buchhaltung in 3 Minuten

holvi

Ich hatte letztes Jahr im September das erste Mail über Holvi berichtet. Damals lag eine Ankündigung vor, inzwischen ist die Plattform in Deutschland freigeschaltet. Doch was ist das Besondere an diesem Tool? Ein Bericht von meinem ersten Test.

Kurz zusammengefasst: es ist ein Alternativmodell für kleine Betriebe oder Freiberufler zur klassischen Bankverbindung. Man bekommt eine neue Bankverbindung, eine frei wählbare Anzahl von Konten und dazu zum Start nach Bedarf einen Onlineshop, eine Spesenabrechnung, die Buchhaltung inkl. Auswertungstools und ein Modul zum Schreiben von Rechnungen. Alles ist natürlich miteinander verdrahtet.

Und wie läuft das Ganze nun ab?

Wenn man sich anmeldet, bekommt man direkt eine IBAN/BIC zugeteilt und kann loslegen. Die Prüfung der Personendaten ist zunächst nicht nötig. Man kann den Shop anlegen, Rechnungen schreiben und sogar Geld auf das Konto ohne Identitätsprüfung überweisen. Um weitere Funktionen nutzen zu können, muss man sich dann verifizieren. Dies passiert, indem man ein Passdokument und eine aktuelle Rechnung von einem Versorger hochlädt. Stellt sich die Frage, was die deutsche Abgabenordnung dazu sagt, die den Banken eine vollständige Legitimationsprüfung bei Kontoeröffnung auferlegt.

Was sofort gegenüber dem klassischen Bankkonto auffällt: die Vernetzung mit der E-Mail. Man bekommt schnell E-Mails mit Statusreports zum Konto (und den Buchhaltungsinformationen) und sieht sofort, wenn auf dem Konto etwas passiert ist – ohne sich erst in das System einloggen zu müssen. So sieht ein wöchentlicher E-Mail-Statusreport zum Konto aus: statusreport

In der Anwendung kann ich nicht nur alleine arbeiten, sondern auch Mitarbeiter mit verschiedenen Berechtigungen einrichten.

Mit dem Konto kommen verschiedene Funktionen automatisch dazu:

  • Online-Shop: Man kann einen einfachen Shop einrichten und hat gleich eine Bezahlfunktion. Kreditkarten, Sofort-Überweisung etc. sind automatisch mit dabei – in der aktuellen Phase ist dies auch der einzige Kostenpunkt. Von jeder Transaktion werden rund 3% einbehalten. Wer sich das anschauen will: https://holvi.com/shop/gumbishop/
  • Rechnungen: Man kann Rechnungen erstellen und direkt an den Empfänger per E-Mail zusenden lassen bzw. selbstverständlich auch als PDF drucken und auf klassischem Wege versenden. Das Konto kennt dann die gestellten Rechnungen und kann bei Zahlungseingang automatisch diesen der Rechnung zuordnen.
  • Spesen: Will man einem Mitarbeiter Spesen erstatten, kann man ihm einen einmaligen oder dauerhaften Link generieren. Der Mitarbeiter kann dann die Belege erfassen und hochladen – die Überweisung und Verbuchung ist dann nur noch ein Mausklick.
  • Buchhaltung: Man kann sämtliche Zahlungen vorher erstellten Kategorien zuweisen und diese sogar vorher budgetieren. Es wird ein auf den ersten Blick umfangreiches Set an Berichten mitgeliefert, die sofort benutzt werden können. Sogar Excel-Berichte sind dabei, so dass man die Daten dann selbst auch noch nach eigenen Bedürfnissen aufbereiten kann.
  • Zahlungsverkehr: Selbstverständlich geht das banale Kontogeschäft natürlich auch: Überweisungen ausführen, Geld auf das Konto einzahlen (auch per Sofort-Überweisung), Kontoauszüge ziehen usw.. Benötigt man ein neues Konto, so ist dies mit wenigen Klicks erledigt. Keine Wartezeiten, keine Unterschriften, sofort nutzbar.

Das sogenannte Dashboard gibt einem einen guten Überblick über die aktuelle Lage:Dashboard

Das ganze Angebot ist derzeit noch in einer ersten Startphase, macht aber schon einen ziemlich runden Eindruck. Sicherlich werden weitere Funktionen noch dazu kommen. Auch stellt man beim ersten Test fest, dass das Angebot noch nicht ganz „rund“ ist. Wenn der Kunde beispielsweise bei einer Rechnung weniger als den geforderten Betrag bezahlt, kann man nichts stornieren, ausbuchen oder mahnen. Auch Schnittstellen zu anderen Systemen existieren noch nicht. Manche Masken haben noch ein paar finnische Inhalte. Aber solche Probleme werden sicherlich (zum Teil) angegangen und sich mit weiteren Versionen klären.

Die Idee an sich ist einfach sehr verlockend – man hat alles an einer Stelle und eine bisher für mich noch nicht gesehene Verzahnung des Bankkontos mit Zusatzfunktionen. Sicherlich kann man dies mit Lexware & Co. auch schon länger (und aktuell sicher umfangreicher) hinbekommen, hat aber immer die lästige Schnittstelle zum Bankkonto. Und man kann die Software nur mit lokaler Installation benutzen.

Die Frage ist natürlich, ob ich „mein“ Geld dieser Firma anvertraue (sie haben eine Lizenz von der finnischen Bankenaufsicht) und wie es abgesichert ist. Die Frage stellt sich aber bei einer Firma PayPal genau so und wird von ganz vielen Shopbetreibern (vielleicht notgedrungen) mit „Ja“ beantwortet.

Eines ist aber sicher: solche Modelle sind für den Kunden nach Klärung der grundsätzlichen Fragen extrem attraktiv. Und sie bieten bereits jetzt einen extremen Mehrwert gegenüber dem verstaubten Girokonto – die Banken können sich bei solchen Wettbewerbern warm anziehen.

Nebenbei: der Name „Girokonto“ kommt übrigens aus dem Italienischen. „Giro“ steht für „Kreis“, „Drehen“ oder „Umlauf“. Der Begriff wird von den Banken aktiv benutzt (GiroKonto, GiroPay, GiroGo, etc.) und spiegelt damit auch leider die bisherige Ideenwelt der Banken wieder.

Dabei ist der in den Köpfen der Bankvorstände existente Zahlungsverkehr längst nicht mehr mit den Anforderungen des Marktes deckungsgleich. Das „Girokonto“ braucht einen ganz neuen Blick, einen neuen Funktionsumfang und am besten auch gleich eine neue Bezeichnung!

Bargeld, EC-Cash und EC-Karte als Auslaufmodell

Apple hat es schon vor einiger Zeit getan. Google und Samsung nun auch! „Apple Pay“ ist in den USA schon produktiv, Google hat „Android Pay“ nun offiziell angekündigt und Samsung hat mit „Samsung Pay“ auch gleich nachgezogen. Nun fehlt eigentlich nur noch Microsoft und dann sind alle wesentlichen Smartphone-Betriebssysteme (die Blackberry-Nutzer mögen mir verzeihen) fähig, mobiles Payment auf einfache Art und Weise – da im Betriebssystem der Hardware verzahnt – anzubieten.

Da der Umgang mit dem System von Apple äußert benutzerfreundlich umgesetzt ist, werden sich die anderen Hersteller daran orientieren. Sofern die Sicherheit überhaupt für den Benutzer eine entscheidende Rolle spielt (zumindest, solange er für Missbrauch nicht haften muss), lässt sich vermuten, dass der Durchbruch des mobilen Bezahlens bald geschafft sein dürfte. Und das natürlich nicht nur in den USA, sondern irgendwann auch in Deutschland und weltweit. Und das ganz ohne Banken, Kreditkartenunternehmen und Mobilfunknetzbetreiber.

Nun kommen alle Smartphone-Hersteller nicht unbedingt aus Europa und haben das EC-Karten-System (wenn überhaupt, dann) sicherlich nicht oben auf der Agenda. Wozu denn auch? Apple Pay lässt sich nur mit der Kreditkarte konfigurieren. Dass andere Systeme in anderen Ländern vorgesehen sind, wurde bisher nicht bekannt.

Die meisten Menschen haben inzwischen eine Kreditkarte und nutzen diese aktiv. Damit kann man auf jeden Fall die kritische Masse für ein mobiles Bezahlsystem erreichen. Insofern ist es auch nicht wahrscheinlich, dass die Hardwarehersteller sich um Nicht-Kreditkarten-Bezahlsysteme, wie z.B. die EC-Karte, in Zukunft kümmern werden.

Sofern mobiles Bezahlen sich durchsetzt (und daran zweifle ich inzwischen nicht mehr), gibt es für den Verbraucher schlicht keinen Grund mehr, die EC-Karte noch zu benutzen. Die Annahmestellen werden sich auf Dauer den Anbietern nicht verweigern können und wenn erst einmal genügend Stellen Apple Pay, Android Pay, Samsung Pay oder ein ähnliches System akzeptieren, dann wird die EC-Karte den gleichen Weg gehen, den der Euroscheck vor einiger Zeit beschritten hat als elektronisches Bezahlen zum Normalfall wurde.

Ich selbst habe meine EC-Karte fast gar nicht mehr benutzt in den letzten Jahren. Das Bargeld aus dem Automaten bekomme ich dank meines Kontomodells kostenfrei im gesamten Euroland mit der Kreditkarte. Und der Geldkartenchip ist schon seit langem nicht mehr aufgeladen.

Mit einem gewissen Neid schaue ich immer wieder auf Länder wie die USA und Schweden, in denen der Lolli ohne schräg angeschaut zu werden problemlos mit der Kreditkarte bezahlt werden kann. Auf Bargeld kann man in diesen Ländern inzwischen auch verzichten.

Wenn ich also als Verbraucher damit repräsentativ bin (und daran zweifle ich natürlich nicht ;-)), dann kann man sich für die Finanzindustrie schnell die Szenarien ausmalen:

  • Die EC-Karte und der damit verbundene Zahlungsverkehr inkl. der Gebühreneinnahmen von den Händlern sind schlicht nicht mehr wettbewerbsfähig. Auch wenn man technisch noch so aufrüstet: entweder muss man eine zusätzliche Plastikkarte mitnehmen oder eine umständlichere Software auf dem Handy benutzen, weil sie eben nicht ins Betriebssystem integriert ist.
  • Die Kreditkartenunternehmen werden weiterhin die Umsätze haben und sogar deutlich steigern können. Eigene Systeme der Kartenunternehmen, die seit langem getestet aber auch nicht wirklich erfolgreich im Markt platziert werden, sind überflüssig.
  • Auch Bargeld wird zu einem Auslaufmodell. Und damit auch alles, was rund um die Bargeldversorgung angeboten wird und derzeit vielleicht noch als Gebühreneinnahmequelle für die Banken dient.
  • Auch der Zahlungsverkehr steht – wie schon öfter hier berichtet – auf der Kippe. Öffentliche Rechnungen kann man inzwischen in einigen Gemeinden per PayPal bezahlen. Online ist Kreditkarte und PayPal schon lange attraktiver als alles andere. Mit PIN und TAN z.B. bei einer Sofortüberweisung zu bezahlen ist sowieso umständlich, gerade wenn man unterwegs ist und die TAN-Liste irgendwo zu Hause ist. Und die Lastschrift ist seit der Einführung von IBAN und BIC auch für den Verbraucher deutlich komplizierter und damit unattraktiver geworden – oder wer kann diese Daten noch auswendig bzw. hat die Motivation sie auswendig zu lernen? Die Banken haben es ja noch nicht einmal geschafft, dass diese Daten auf der EC-Karte nachgelesen werden können – traurig und umständlich zumal die SEPA-Standards lange bekannt waren und man diese Daten parallel zur inzwischen veralteten Kontonummer hätte angeben können. Wenn der Verbraucher also zukünftig die Wahl hat, wird er den einfachsten Zahlungsweg wählen – und der liegt wahrscheinlich nicht mehr beim Girokonto. Der dort noch verbleibende Rest an regelmäßigen Lastschriften wird sich sicherlich auch in Kürze über PayPal oder andere Dienstleister abwickeln lassen.

Das sind auf einen Schlag eine ganze Menge Geschäftsmodelle, die den Banken entgehen werden. Und die Liste ist sicherlich nicht vollständig, sondern nur die Spitze des Eisberges. Man könnte direkt bei dem Thema alternative Finanzierungsformen weitermachen. Mal sehen, wann die erste private Immobilienfinanzierung im Crowdfunding-Verfahren angeboten wird.

Ich hätte als Bankvorstand inzwischen deutlichen Respekt und würde mir um die Zukunft meiner Geschäftsfelder intensive Gedanken machen. Dringend müssen für die Finanzbranche neue Ideen entwickelt werden, mit denen ich meine Kunden länger als die Zinsbindungsfrist einer Immobilienfinanzierung binden kann. Oder vielleicht reicht es auch, wenn man den Markt beobachtet und die dort bereits vorhandenen Ideen mit der (noch) vorhandenen Marktmacht der Banken konsequent übernimmt und intelligent umsetzt.

Warum bauen die Geschäftsbanken eigentlich kein „PayPal“?

Neulich habe ich von einer Firma einen Betrag von 94,05€ zurückerstattet bekommen. Die Firma wollte offensichtlich einen guten Kundendienst bieten und hat das Geld direkt über PayPal ausgezahlt. Es handelte sich nicht um eine Rückbuchung einer PayPal-Zahlung, sondern die Erstattung eines bereits Wochen vorher per Banküberweisung bezahlten Betrages.

So gut es gemeint war, von den 94,05€ kamen nur 91,91€ bei mir an – PayPal war der Meinung, dass die Gutschrift auf meinem Konto eine Gebühr von 2,14€ rechtfertigte. Genau aus diesem Grund versuche ich seit langem bei Verkäufen über EBay PayPal nicht mehr als Bezahlungsweg anzugeben.

Man stelle sich nun mal vor, die Hausbank würde bei einer normalen Überweisung einen prozentualen Betrag in dieser Höhe einbehalten. Für die meisten Kunden wäre dies ein Grund, ihr Konto zu kündigen – man erwartet ja geradezu eine kostenlose Kontoführung.

Was also machen die Banken falsch, dass die Kunden offensichtlich bereit sind, bei PayPal horrende Gebühren zu bezahlen, ihrer Hausbank aber nicht? Ist es die monatliche Abrechnung und der dann vielleicht schockierend hohe Betrag – macht es PayPal ganz geschickt, dass gleich bei jeder Gutschrift etwas einbehalten wird? Ist es die Grundgebühr, die ein Kunde für ein Konto nicht bereit ist zu bezahlen? Sind die Banken selber schuld, weil sie sich mit dem Konkurrenzkampf gegenseitig das Leben schwer machen?

Vielleicht ist es vielmehr so, dass das „gute, alte“ Girokonto trotz Online-Banking einfach noch nicht in der modernen Welt angekommen ist und der Kunde damit für den Service einfach nicht so viel bezahlen möchte.

Bei PayPal (stellvertretend für viele Bezahldienste) kann man sich mit ein paar Klicks anmelden und loslegen. Bei der Bank muss ich entweder persönich erscheinen oder per Postindent (oder einfachere Nachfolgelösungen) mich persönlich legitimieren.

Bieten die einfachen Dienste eine schnelle Nachricht über Zahlungseingänge, muss ich bei der Bank erst ins Online-Banking hineingehen um zu sehen, ob Geld angekommen ist. Als fortschrittlich gelten Institute, die per SMS benachrichtigen.

Schnellere Laufzeit haben die Banken inzwischen hinbekommen, oft ist das Geld am gleichen Tag da, meist spätestens am Folgetag. Aber von „sofort“ sind sie noch weit entfernt.

Eine einfache Überweisung – ohne TANs oder anderes elektronisches Zubehör mitschleppen zu müssen, kennen Bankverfahren nicht. Bei PayPal und Co. öffne ich die App und gut ist es.

Nun kann man (und tut es auch) auf Bankenseite mit gesetzlichen Vorgaben (Abgabenordnung bei der Kontoeröffnung) und Sicherheit argumentieren. Offensichtlich interessiert den Kunden dies aber nur teilweise – wenn der Dienst zu kompliziert wird, kann er zwar sicher sein – aber gut ist er deswegen trotzdem nicht.

Aus meiner Sicht haben die Banken (bzw. deren IT-Dienstleister) beim Zahlungsverkehr den Markttrend vollkommen verschlafen. Sie bieten den alternativen Zahlungsdienstleistern ein vollkommen freies Feld – auf dem man offensichtlich doch gut verdienen kann. „Mit dem Girokonto kann man kein Geld verdienen“ wird oft gejammert. Doch, es geht – schaut Euch mal im Markt um!

Es wird dringend Zeit, dass die (deutschen) Banken sich Gedanken über den Zahlungsverkehr machen und ihn modernisieren. Ansonsten braucht ihn bald kaum noch jemand.

Nebenbei: den Betrag habe ich bei PayPal zurückgebucht und mir über das Girokonto überweisen lassen. Ein solches Gebührenmodell mag ich nicht unterstützen 😉