Betriebssystem

Bank mit eigenen Betriebssystem: fidorOS

API-Banking war schon öfter ein Stichwort hier im Blog. Gerade erst hat die solarisBank Schlagzeilen mit der Anbindung von Autoscout24 als Kreditplattform gemacht. Auch bei der Fidor Bank AG wird ein breiter Umfang an Schnittstellen für Dritte angeboten. Fidor bezeichnet es als eigenes Betriebssystem mit Namen „fidorOS“.

Fidor sieht sich nicht mehr als eine Bank an, die Technologie als Möglichkeit zur Rationalisierung nutzt. Stattdessen bietet man eine offene Plattform an, die Banking-Funktionen jedem zur Verfügung stellt, der diese für sein Angebot benötigt.

No-Stack Banking™

Ein Teil dieser Plattform (Betriebssystem) ist das sogenannte „No-Stack Banking™“, welches Dritten ein Set von Programmierschnittstellen (API’s) zur Verfügung stellt. Auf der Homepage sind sieben Schritte zur Realisierung genannt:

  1. You design the native and responsive apps, using our APIs
  2. We provide the technology
  3. We provide license shelter and banking services
  4. We manage the regulations and compliance
  5. Our services are a feature of your solution
  6. We offer additional services like design, UX, customer service analytics
  7. You pay as you grow

Die klare Arbeitsteilung wird deutlich: Fidor stellt das Banking mit allen Facetten inklusive Regulatorik und Compliance zur Verfügung. Der Entwickler baut seine Anwendung und kann die Dienste ohne tiefes Fachwissen nutzen und in seiner App zur Verfügung stellen.

Es klingt einfach und im Prinzip ist es das auch. Vergleichen wir es doch mal mit Google Maps. Niemand programmiert heutzutage noch eigene Landkarten auf der Homepage oder in einer App. Google (und andere) stellt wunderbare API’s zur Verfügung, mit der jeder Entwickler mit wenig Aufwand seine Anwendungsidee leicht umsetzen kann. Auf dieser Basis ist eine Menge und Breite von Applikationen entstanden, die Google niemals alleine hätte entwickeln können. Ohne diese Schnittstelle wären auf der anderen Seite viele Ideen nicht umgesetzt worden, weil die Entwickler den Aufwand für eigene Kartenfunktionen nicht hätten leisten können. Von der regelmäßigen Aktualisierung einmal ganz abgesehen.

Es bewahrheitet sich immer mehr die bekannte Aussage von Bill Gates (immerhin aus dem Jahre 1994) die provokante Aussage, dass in Zukunft zwar das Bankgeschäft, jedoch nicht die Banken selbst, noch gebraucht würden.

Gilt diese Annahme, dann werden diejenigen (Banken) beste Überlebenschancen haben, die Bankgeschäfte zur Verfügung stellen. Ob sie darüber hinaus noch klassisches Bankgeschäft machen, sei dahingestellt.

Warum tun sich Banken schwer bei der Digitalisierung?

Tun sie gar nicht! Ganz im Gegenteil, sie sind darin richtig gut.

Um das zu verstehen, muss man ein wenig die Historie betrachten.

Die Banken gehören zu der Branche, die schon seit Ewigkeiten digitalisiert. Als im Handel noch mechanische Kassen Standard waren, haben die Banken bereits Rechenzentren gegründet und damit die Digitalisierung begonnen. So wurde die genossenschaftliche Datenverarbeitung schon 1963 im norddeutschen Raum begonnen.

Seit Anfang der 1990er Jahre die PC’s in die Bankfilialen Einzug hielten, haben die Banken einen immensen Aufwand in die Digitalisierung gesteckt. Damals sagte man allerdings noch nicht Digitalisierung dazu. Oft war von Rationalisierung und Umstellung auf IT die Rede.

Für Banken war immer eine Optimierung der Prozesse die Antriebsfeder zur Einführung von IT. Dieser wurden dadurch schneller und kostengünstiger erfolgen. Die Kundenselbstbedienung wurde nicht eingeführt um den Kunden einen besseren Service zu verkaufen, sondern lediglich um das teure Schalterpersonal zu ersetzen. Natürlich hat man nach Vorteilsargumenten gesucht und diese auch gefunden. Die Kosten für den Kunden wurden geringer und die Verfügbarkeit besser. Meist „geringer und besser“ als bei der Konkurrenz.

Nun hat man aber inzwischen einen Optimierungslevel erreicht, den man eigentlich nur noch mit viel Aufwand verbessern kann. Damit wird es auch immer schwieriger, Kostenvorteile zu erzielen und die schrumpfenden Margen aufzufangen. Genau an dieser Stelle steht die Finanzwirtschaft inzwischen.

Im letzten Artikel habe ich aufgelistet, was FinTechs erfolgreich macht. Dummerweise sind die dort genannten Faktoren genau das, was ein Banker in den letzten Jahrzehnten der Digitalisierung nicht gelernt hat.

  1. Einfachheit: der Banker kennt nur „lieber komplex und sicher als einfach und unsicher“.
  2. Differenzierung: der Banker hat in seiner DNA die Sichtweise „alle Banken machen irgendwie das Gleiche, beim Geldgeschäft kann man nicht so viel anders machen“
  3. Aufmerksamkeit: das haben Banker nicht wirklich gelernt. Ist auch schwierig, weil ja doch irgendwie alle das Gleiche machen. Also kann man nur über Konditionen oder Qualität auf sich aufmerksam machen. Innovation war nie wirklich im Fokus.
  4. Community: Als Community versteht der Banken seinen Kundenkreis. Es wird mit allen Mitteln versucht, neue Kunden in diese Community zu locken. Aber dann mit dieser Community zu arbeiten, wirklich auf sie zu hören, das widerspricht dem Selbstverständnis des Banker, der sich unterm Strich doch am besten mit seinem komplexen Geschäft auskennt. Eine gewisse Grundarroganz (sorry, liebe Mitbanker) ist da schon vorhanden. Ausnahmen entstehen, schönen Gruß z.B. an die Kollegen von Fidor.

Die meisten Institute hätten (noch) problemlos die finanziellen Mittel, ein innovatives Team zu beschäftigen und auszustatten. Man bräuchte keine FinTechs kaufen, sondern könnte die Innovationen auch selber bauen. Es liegt nicht an der Finanzkraft, sondern an den Rahmenbedingungen.

photo-1441171205449-f600f908a9f3Ich habe in vielen Workshops und Gesprächen gelernt, dass die Banken gute Mitarbeiter und damit auch gute Chancen hätten. Das Potential wird aber ganz oft nicht oder nur unzureichend genutzt und innovative Ideen abgetan, bevor sie richtig durchleuchtet sind. Tagesgeschäft, Regularien und andere Bedenken stehen vor neuen Geschäftsmodellen. Seit Jahren wildern fremde Branchen bei den Banken und nehmen ihnen Geschäftsanteile weg. Zeit zum Gegenangriff. Attacke!