Keine Digitalisierung: Sind die Mitarbeiter schuld?

Mangelndes Know-How der Mitarbeiter ist nach einer Umfrage des BDI und der Deutschen Bank bei 312 großen Familienunternehmen mit mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz das wichtigste Hemmnis für die Digitalisierung.

Digitalisierung ist wichtig, aber …

Immerhin rund 60 Prozent aller Befragten schätzen die Bedeutung der Digitalisierung für das eigene Unternehmen als hoch oder sehr hoch ein. Aber nur 41 Prozent sieht sich bei der Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells als gut aufgestellt.

Eigentlich erschreckend, wenn man es umdreht: 40 Prozent dieser Unternehmen glauben, dass Digitalisierung für sie nicht wichtig ist. Ein weiterer Anteil von 20 Prozent ist da schon weiter, hält sich aber für nicht gut aufgestellt.

… es werden Schlussfolgerungen gezogen, …

Interessant – oder wenn man will auch beängstigend – sind die Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden:

  1. Fast jedes dritte große Familienunternehmen sieht die Verfügbarkeit digitaler Infrastruktur als Hürde für die eigene Digitalisierung (32 Prozent).
    Hier kann man noch am einfachsten zustimmen. Es wird die Kunden aber nicht interessieren warum ein Unternehmen die Digitalisierung verschlafen hat. Keiner bekommt einen Bonus, weil beispielsweise die Infrastruktur nicht passte. Man mag zwar auf die Politik schimpfen können. Trotzdem ist die Unternehmensführung dringend gefordert, alternative Lösungen zu finden. Warten auf die Telekom ist keine Option.
  2. Weitere kritische Punkte sind mangelnde oder unzureichende digitale Schnittstellen, beispielsweise für die Übertragung von Daten an Zulieferer (37 Prozent), Bedenken hinsichtlich der IT-Sicherheit (36 Prozent), sowie der notwendige Wandel in der Unternehmenskultur (35 Prozent).
    Auch hier sind offensichtlich die Hausaufgaben nicht gemacht worden. Gerade eine Unternehmenskultur wandelt sich nicht einfach so von selbst. Im Gegensatz zu Problemen bei Schnittstellen und der IT-Sicherheit, die man relativ schnell beheben kann. Wer jetzt erst über eine Kultur nachdenkt, darf sich auf einen langen Zeitraum einstellen. Die  Zeichen der Zeit wurden eigentlich schon vor mehreren Jahren verschlafen.
  3. Die Unternehmen wollen ihre Investitionen in die Digitalisierung deshalb bis 2019 auf durchschnittlich etwa drei Prozent des Umsatzes erhöhen – gegenüber 2016 ein Anstieg von fast 40 Prozent.
    Bei einem Umsatz von 50 Mio. Euro sind 3 Prozent gerade mal 1.5 Mio. Euro. Eine nicht gerade hohe Investitionssumme um ein Geschäftsmodell zu digitalisieren. Alleine Personal, IT und Marketing werden deutlich mehr kosten. Wurde die Basis für die Digitalisierung im Unternehmen noch gar nicht geschaffen, wird sich die Summe noch einmal erhöhen. Auch eine Kulturveränderung kostet Geld. Ist diese bisher nicht erfolgt, hat man sowieso einen Investitionsstau.
  4. Als größtes Hemmnis für die Digitalisierung sehen die Unternehmen mangelndes Know-how der Mitarbeiter an (43 Prozent).
    Was als größtes Hemmnis angesehen wird, ist eigentlich auch der größte Klopfer in diesem Ergebnis. Wie soll ein Unternehmen denn die Digitalisierung starten, wenn es von knapp der Hälfte der Beschäftigten keine entsprechende Unterstützung erwarten kann?

… die das Problem bei dem Mitarbeiter sehen

Sicherlich ist das Know-How der Mitarbeiter bei diesem Wandlungsprozess der Kultur und der Digitalisierung extrem wichtig. Aber ein Punkt wird hier vollkommen außer Acht gelassen. Wie sieht es denn mit dem Know-How der Unternehmensführung bei der Digitalisierung aus?

Digitalisierung benötigt eine neue Kultur, Digitalisierung benötigt komplett neue Ideen für das Geschäftsmodell, vielleicht sogar ein komplett neues Geschäftsmodell. Einfach weitermachen wie bisher, die Prozesse mit besseren Schnittstellen zu versehen und bestehende Angeboten mit neuen Anwendungen „aufpeppen“ – das hat nichts mit Digitalisierung zu tun.

Ein neues Geschäftsmodell und eine neue Unternehmenskultur werden aber niemals von den Mitarbeitern angestoßen werden. Dies ist eine Aufgabe der Unternehmensführung. Mindestens muss sie den Freiraum und die Qualifikation bei den Mitarbeitern zu schaffen. Erst dann können sich aus dem Unternehmen heraus neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Sondern?

Für mich spiegelt die Umfrage wieder, dass die Unternehmensführung bei vielen Familienunternehmen offensichtlich nicht mehr zu den Herausforderungen der Digitalisierung passt. Es wird eine Investitionssumme festgelegt, mit der das Projekt „Digitalisierung“ umgesetzt wird. Dazu muss einfach in eine bessere IT investiert werden und die Mitarbeiter zu schulen. Dann wird das schon. Das wurde immer so gemacht.

Zunächst müsste dringend und schnell das Management seine Fähigkeiten und sein Verständnis im Bereich der Digitalisierung ausbilden. Erst dann kann es das Unternehmen auf einen neuen Weg bringen.

Digitalisierung ist kein Projekt, sondern eine neue Evolutionsstufe eines Unternehmens. Dazu müssen sich alle im Unternehmen ändern – das Management als erstes.

 

Bahnhof

Pilot: Deutsche Bahn testet mobilen Check-In

Zugfahren ohne Kontrolle durch den Schaffner? Die Bahn testet es in einem Pilotprojekt: Mobiler Check-In durch den Kunden.

Wie Zugreiseblog.de berichtet, wird die Deutsche Bahn in bestimmten Zügen ab Ende Juli 2017 den mobilen Check-In testen. Damit ist keine Fahrkartenkontrolle durch einen Menschen mehr nötig.

In Kurzform: Man kauft ein Online-Ticket (mobil oder Papier) mit gültiger Platzreservierung. Mit Fahrtantritt kann man dann über den DB Navigator in den Pilotzügen vorab einchecken. Der Kontrolleur sieht es auf seinem mobilen Terminal und kann weitergehen.

Vorteil für den Kunden: die Reservierung gilt nicht mehr nur noch für die ersten 15 Minuten, sondern für die gesamte Fahrt. An der Reservierungsanzeige wird dann deutlich gemacht, dass der Platz besetzt ist.

Soweit die Theorie. Lassen wir mal das Thema „Platzreservierungen waren in diesem Zug nicht möglich“ als running gag für Platzreservierungen und das damit verbundene Chaos außen vor und trauen der Bahn zu, dass die in diesen Pilotzügen eingesetzte Technik reibungslos funktioniert.

Schwierig wird wahrscheinlich bei dem Ganzen der „Mischbetrieb“. Autonomes Autofahren könnte auch so einfach sein, wenn alle Verkehrsteilnehmer nur noch Computer wären und man sich auf einen einheitlichen Standard einigen würde. Da aber im „Mischbetrieb“ noch Fußgänger, Radfahrer und gute und schlechte Autofahrer am Verkehr teilnehmen, ist das Ganze so herausfordernd.

Ähnlich wird es der Bahn ergehen. Was wird denn in einem hoffnungslos überfüllten Zug passieren, wo die Hälfte der Menschen in den Gängen sitzt und steht? Bestimmt wird der eine „besetzte“ Platz nicht frei bleiben. Diskussionen sind vorprogrammiert.

Würde man hingegen nur noch Züge mit festen Reservierungen anbieten, dann könnte das System gut klappen. So wie es beim Sprinter zumindest mal war – auf der Homepage der Bahn steht aktuell dazu nichts mehr.

Dazu müsste die Bahn aber es endlich schaffen, Züge nachfragegerecht fahren zu lassen. Die dazu nötigen Bedarfsdaten müssten längst existieren. Leider denkt die Bahn aber immer noch in Taktzeiten und schickt brav je Stunde einen Zug los. Sicherlich ist das Ganze auch eine Frage der Kapazitäten bei Zugmaterial und Gleisen und sagt sich sehr leicht. Bestimmt gäbe es aber auch Lösungen dafür.

Trotzdem ein spannendes Projekt und sicherlich auch der richtige Weg. Allerdings sollte die Bahn die freiwerdenden Kapazitäten für Qualitätsverbesserungen nutzen und nicht um am Ende den Zug komplett ohne Personal fahren zu lassen – denn der erste autonome Zug dürfte in auch nicht allzu weiter Ferne sein – schließlich ist hier das Problem des „Mischbetriebs“ deutlich geringer.

Update 03.08.2017
Hier eine Seite der Bahn mit weiteren Informationen https://www.bahn.de/p/view/service/buchung/komfortcheckin.shtml

Digitalisierung: Opel Adam bei Amazon kaufen

Auch ohne Prime kommt das neue Auto in spätestens 21 Tagen. Autos bestellt man jetzt bei Amazon.

Sicherlich ist es ein Testballon – aber ein sehr interessanter, der das Geschäftsmodell der Autohäuser schnell mal auf den Kopf stellen kann. Vermischt mit der Erkenntnis, dass junge Kunden immer weniger ein Auto als „Besitzstand“, sondern als Mobilitätsnotwendigkeit ansehen, kann das Modell wirklich Zukunft haben und ganz schnell den Markt überrennen. Portale, die das ohne große Probleme schnell anbieten können, gibt es genügend.

Wie läuft es ab:

  1. Man zahlt eine Reservierungsgebühr online
  2. Danach kann man den Leasingvertrag online mit Videoident online über die Opel Bank abschließen (Bonität vorausgesetzt)
  3. Teilnehmenden Opel Händler auswählen
  4. Spätestens nach 21 Tagen das Auto beim Händler abholen. Die Reservierungsgebühr wird verrechnet.

Wer jetzt kaufen möchte: https://www.amazon.de/gp/adlp/opel-adam

 

Amazon Go Supermarkt

Digitalisierung im Supermarkt – ein Update

Lebensmittel werden wir immer benötigen – aber wie und wo wir sie kaufen wird sich in den nächsten Jahren durch die Digitalisierung massiv ändern.

Auch wenn die Lieferung von Lebensmitteln noch in den Kinderschuhen steckt. Es lässt sich ahnen, wo die Reise hingeht. Ein Knopfdruck an der Waschmaschine auf den Dash-Button und das Paket mit dem Nachschub ist am nächsten Tag da. Bald wird es die Waschmaschine direkt können. Oder man sagt Alexa direkt per Sprache, dass man neues Waschmittel benötigt. Rewe schickt die online bestellten Lebensmittel mit eigenem Fuhrpark auf die Reise. Amazon liefert in Berlin schon direkt am Tag der Bestellung die Frischwaren aus. Vielleicht druckt uns irgendwann ein 3D-Drucker die Lebensmittel direkt zu Hause aus. Mehr dazu im Artikel Zerstörung ist der Weg zum Wandel.

All diesen Entwicklungen zum Trotz wird es auch weiterhin lokale Ladengeschäfte geben, an denen wir spontan unseren Bedarf decken wollen.

Der digitale Supermarkt

Amazon testet derzeit mit eigenen Mitarbeitern „Amazon Go“ in der Betaphase aus. Ein Ladengeschäft in Seattle, welches 2017 für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Das Besondere dabei: keine Kassen mehr und somit auch keine Warteschlangen. Kein Umpacken der Waren vom Einkaufswagen in die eigene Tasche. Einfach die Waren aus dem Regal nehmen, in die Tasche stecken und das Geschäft verlassen. Abgerechnet wird online über das Amazon Konto.

Wie das funktioniert? Amazon nutzt die Technologie, die auch in selbstfahrenden Autos genutzt wird: maschinelles Sehen, Sensordatenfusion (also die Verknüpfung der Daten verschiedener Sensoren) und maschinelles Lernen.

Man identifiziert sich über die App beim Betreten des Supermarktes (ähnlich wie das Passieren eines Gates am Flughafen mit elektronischer Bordkarte) und schon wird registriert, welche Waren der einzelne Besucher aus dem Regal nimmt und tatsächlich einsteckt. Sehr schön erklärt es in knapp 2 Minuten ein Video bzw. die Seite von Amazon.

Auswirkungen auf den Handel

Macht dieses Modell Schule (und daran ist eigentlich kaum zu zweifeln), kann man sich schnell vorstellen, welche Arbeitsplätze durch solch eine Technologie wegfallen können. Nicht nur in Supermärkten, sondern im gesamten lokalen Handel. Kaufhof, Karstadt, Saturn und co. könnten viel Personal einsparen.

Denkt man dann noch ein wenig weiter, könnten Preise – wie heute durchaus schon im Online-Handel üblich – sich deutlich schneller ändern. Im Extremfall sogar individuell für jeden Kunden. Das System berechnet dem Kunden den Preis schließlich genau zu dem Zeitpunkt, zu dem er die Ware aus dem Regal nimmt und in die Tasche steckt.

Der Handel steckt also in dem gleichen „Dilemma“ wie viele andere Branchen. Er muss sich Gedanken machen, wie das Geschäftsmodell zukünftig aussehen wird. Nicht wöchentliche Prospekte mit Preisangeboten werden die Kunden in den Laden locken, sondern Frische, Individualität, Qualität, Beratung werden einige der Schlüsselbegriffe sein. Wie in vielen Branchen werden die Berufsbilder der MitarbeiterInnen sich massiv verändern müssen. Ob das vorhandene Personal diese Herausforderungen leisten und bewältigen kann, liegt wie immer daran, wann die Unternehmen die Notwendigkeit erkennen und damit anfangen.

Die Metro-Gruppe hat gerade erst im nordrhein-westfälischen Tönisvorst ihren Supermarkt „Real Future Store“ eröffnet. Teil der „Zukunft“ ist dort der Mobile Einkaufsassistent (MEA). Der Kunde scannt hierbei seinen Einkauf selber und reduziert die Wartezeiten an der Kasse damit deutlich.

Wer in den Niederlanden schon mal bei der Kette Albert Heijn eingekauft hat, empfindet dies als alten Hut. Und gegenüber „Amazon Go“ klingt es schon recht nicht mehr nach einem Supermarkt der Zukunft. Immerhin hat Real verstanden, dass es in der Zukunft etwas mehr bedarf als nur gute Preise und gefüllte Regale anzubieten. „Die Markthalle Krefeld verspricht ein Einkaufserlebnis der Superlative. Mehr Service, mehr Frische, noch bessere Preise, mehr Emotionen auch im Nonfood-Bereich, so präsentiert sich die Zukunft des Einkaufens“, so die Pressemitteilung.

Tram in den Niederlanden

Gescheiterte Digitalisierung: Einstellung von Touch & Travel

Ein deutlicher Schritt in die falsche Richtung: Die Deutsche Bahn – immerhin im Besitz der öffentlichen Hand – stellt Touch & Travel (T&T) ein. Es war das einzige System in Deutschland, mit dem das Tarif-Gewirr der einzelnen Anbieter eine Chance auf Kundenfreundlichkeit hatte.

Jeder, der schon einmal in einer fremden Stadt unterwegs war und die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen wollte, kennt das Problem. Man muss erst einmal das Tarifsystem studieren – obwohl man eigentlich nur von A nach B möchte. Mit Touch & Travel konnte man – bei den teilnehmenden Verkehrsverbünden – bei A einchecken und bei B wieder auschecken. Den günstigsten Tarif hat das System berechnet. Das Ganze klappte sogar deutschlandweit, wenn man zwischen beteiligten Verkehrsverbünden mit der Bahn unterwegs war.

Leider scheint das System von den Kunden nicht gut genug angenommen worden zu sein – so die Bahn. Alternativen gibt es nicht. Wieder einmal sind also die Kunden Schuld, weil ein gutes System stirbt. Im Marketing-Jargon der Bahn klingt es so:

Die Deutsche Bahn hat den Anspruch, ihre Produkte stets an den aktuellen Kunden- und Marktanforderungen auszurichten. Unsere Marktforschung hat ergeben, dass Fahrgäste im Nahverkehr eine „Alles-aus-einer-Hand“-App mit Informationen und zusätzlichen Services erwarten. Diese suchen sie vorrangig bei ihrem lokalen Verkehrsverbund/-unternehmen.

Um diesen Kunden- und Marktanforderungen besser gerecht zu werden, bietet die Deutsche Bahn den Verkehrsverbünden/-unternehmen an, die Funktionalitäten von Check-in/Check-out in ihre eigenen Apps zu integrieren.

Wie es hätte klappen können

Schauen wir doch mal zu den Nachbarn Niederlande. Dort hat man 2005 landesweit begonnen, eine einheitliche Chipkarte (ov-chipkaart) bei allen Verkehrsverbünden einzuführen. Seit 2012 ist die Einführung abgeschlossen. Egal, wo man in den Niederlanden in ein öffentliches Verkehrsmittel steigt: Karte beim Einsteigen an den Automaten halten und beim Aussteigen noch einmal. Schon hat man die Fahrt bezahlt – das klappt vom Metropolenzug bis zum letzten Landbus einwandfrei. Für Besucher, die sich keine Chipkarte zulegen wollen, gibt es Einzeltickets nach dem gleichen Prinzip.

An sich also die gleiche Idee, die hinter Touch & Travel steht – und die Niederländer zeigen, dass es funktionieren kann. Ein Paradebeispiel für gelungene Digitalisierung zu einer Zeit, als dieses Modewort noch nicht benutzt wurde.

Warum es nicht geklappt hat

Wenn Kunden ein System nicht annehmen, wird entweder das System gar nicht benötigt oder es ist in der Umsetzung nicht ausreichend gut, dass es massentauglich wird. Woran lag es nun bei Touch & Travel?

  • Startphase/Infrastruktur: Touch & Travel hatte zum Start große Hürden. Man hat komplett auf das Smartphone gesetzt. Am Anfang waren nur wenige Geräte in der Lage, das System zu nutzen. Nachdem man dann alle Geräte unterstützen konnte, hat man sich für eine Lokalisierung über den Netzbetreiber entschieden. Auch hier hat es wieder sehr lange gedauert, bis alle Netzprovider unterstützt wurden. Bis das System also für alle verfügbar war, ist die Anfangseuphorie schon längst verpufft gewesen. Eine einfache Chipkarte hätte viele Probleme deutlich reduzieren können.
  • Geringerer Kundennutzen als der Standard: Leider hat man es nicht geschafft, alle Verkehrsverbünde ins Boot zu holen. Der Kunde konnte das System also nicht flächendeckend nutzen und musste sich erst informieren, wo eine Nutzung möglich war. Die digitale Lösung hatte zwar Vorteile mit sich gebracht, aber den Umfang der bisherigen Standardlösung (Papier- und Onlineticket) nie erreicht.
    • So wurden beispielsweise Firmenrabatte nicht berücksichtigt.
    • Wollte man von Berlin nach Hannover fahren, so konnte man den Nahverkehr in Berlin, nicht aber den in Hannover benutzen. Bei einem normalen Bahn-Ticket mit Bahnkarte gab es schon lange die City-Option, mit der man die öffentliche Verkehrsmittel problemlos nutzen konnte.
    • Die Nutzung war nur mit Volljährigkeit möglich.
    • Mitfahrer waren nicht möglich.
  • Komplexität: Die Anmeldung am System war nicht „einfach“ im Sinne eines Kunden. Die Applikation alleine bot nicht alle Funktionen an, man musste für einige Funktionen den Browser am PC nutzen. Besuchern und Wenignutzern war das System damit kaum zugänglich.
  • Innovation: Das System wurde kaum weiterentwickelt und an neue Möglichkeiten der Smartphones angepasst. Bis zum Schluß war keine Bezahlung mit anderen Methoden als der Lastschrift möglich.

Es ist wirklich sehr schade, dass die öffentliche Hand es nicht geschafft hat, diese Idee weiterzuentwickeln und die einmalige Chance zu nutzen, in ganz Deutschland ein einheitliches System für die Bezahlung im öffentlichen Personennahverkehr zu etablieren. Gewöhnen wir uns also wieder an eine eigene App auf dem Smartphone von jedem Verkehrsverbund in Deutschland, den wir benutzen. Und natürlich jeweils eigene Zugangsdaten.

Social Business

Ist Social Business wirklich tot oder noch gar nicht am Leben?

Zum Jahresanfang 2016 konnte man lesen, dass Social Business tot sei, weil es bereits im Alltag der Unternehmen angekommen sei. Stimmt diese These oder sind viele Unternehmen vielleicht noch meilenweit von dieser Normalität weg?

Auch von einem der Top3-Anbieter für Social-Business-Software IBM konnte man diese Aussage hören. So titelte die Computerwoche in der Rubrik „IBM Experts“ mit „Ist Social Business am Ende?„. Basis für die These war, dass es sich um einen schwer verständlichen Kunstbegriff handelt, die inzwischen „normale“ Verhaltensweisen wie Teilen und Kommentieren beschreibt. Diese Fragestellungen sind demnach heute bereits Fragestellungen, mit denen sich Unternehmen auseinandersetzen.

Social Business lebt noch gar nicht

Ich möchte eine Gegenthese aufstellen: „Social Business“ lebt in vielen Unternehmen noch gar nicht. Weiter wachsende Dateiserver, nach wie vor die E-Mail als primäre Informationsquelle und eine Menge (oft unnötiger) Meetings bestimmen nach meiner Beobachtung immer noch den Alltag in vielen Unternehmen.

So hat gerade Adobe in einer aktuellen Studie den Fluch und Segen der E-Mail beschrieben. 3000 Büromitarbeiter wurden befragt und das Ergebnis zeigt deutlich auf: E-Mails werden immer noch falsch benutzt und hemmen die Produktivität massiv. „Jeder vierte deutsche Büroangestellte ärgert sich regelmäßig über E-Mails, weil ein persönliches Gespräch deutlich besser gewesen wäre. 17 Prozent sind ebenfalls genervt von Kollegen, die ständig „Allen Antworten“, obwohl der E-Mail-Inhalt gar nicht für alle bestimmt bzw. relevant ist. Auch den Vorgesetzten bei allem und jeden in Kopie zu setzen (15 Prozent), weitergeleitete Mails, die man längst erhalten hat (13 Prozent), und Kritik oder negatives Feedback via E-Mail (acht Prozent), kommen bei den Deutschen nicht allzu gut an.

Für eine Studie von Censuswide wurden 6045 Bürokräfte aus verschiedenen Branchen in neun Ländern Europas befragt, davon 1015 in Deutschland. Sie sollten selbst einschätzen, wie viel Zeit sie wegen Technikproblemen verlieren und warum. Der Spitzenreiter: 22 Minuten täglich werden verschwendet um Textdokumente oder Bilder zu suchen, die in einem unübersichtlichen Wust von Dateiordnern versteckt sind. Nachzulesen auf Spiegel Online.

Beide Studien stützen die These „Social Business lebt noch gar nicht“. Ob man es nun Social Business nennt oder einen anderen Begriff favorisiert – die Techniken des Zusammenarbeitens kommen nur sehr langsam in der internen IT der Unternehmen an.

Die richtige Software fehlt

Privat sieht es bei den meisten Büroangestellten deutlich anders aus. Dank der omnipräsenten Smartphones gehören soziale Tools wie beispielsweise WhatsApp, Facebook, SnapChat, Instagram zum normalen Alltag. E-Mail und lokale Dokumente auf dem eigenen Rechner spielen in der privaten Kommunikation eine immer weniger wichtige Rolle.

Es sind also nicht die Menschen, die einer neuen Art der Zusammenarbeit im Weg stehen, sondern die IT. Zwar integrieren immer mehr Softwareprodukte soziale Komponenten. Aber oft sind es nur kleine Inseln in der gesamten Unternehmens-IT. Was vielen Unternehmen fehlt, ist ein zentrales Tool, mit dem alle Mitarbeiter des Unternehmens kommunizieren und Informationen ablegen und finden können.

Ohne Tool kann kein Social Business wirklich funktionieren. Umgekehrt bedeutet es aber auch nicht, dass ein Tool automatisch die Lösung ist. Das Tool ist die eigentliche Basis. Auf dieser Basis müssen dann Prozesse aufgebaut werden und die Mitarbeiter an neue Verhaltensweisen in der Kommunikation langsam herangeführt werden.

Dazu fehlt nach wie vor ein Grundverständnis bei vielen Entscheidern. Auch wenn die Unproduktivität der bisherigen Tools erkannt wurde, ist die Bereitschaft zu einer so intensiven Änderung des Unternehmens ein hohe Hürde. Alleine der Einsatz einer Software wird nichts ändern, aber ohne eine Software wird es auch nicht klappen.

Social Business ist also noch lange nicht tot. Ganz im Gegenteil: alle Unternehmen, deren primäre IT noch auf E-Mail und Dateiserver basiert, müssen Social Business erst einmal zum Leben erwecken.

Vielleicht heißt es inzwischen nur anders. Aber ob es nun Arbeitsplatz 4.0 oder Social Business genannt wird – viele Unternehmen sind noch in Arbeitsweisen des Jahrtausendwechsels unterwegs.

Nebenbei: Die derzeit vieldiskutierte Digitalisierung wird nur einem Unternehmen gelingen, das sich auf einen neuen Weg der Zusammenarbeit gemacht hat und Social Business lebt.

 

CreditPlus Bank

CreditPlus: Digitalisierung geht auch ohne Startup

Digitalisierung im Bankenumfeld wird immer als Domäne der Startups dargestellt. Das dem bei Weitem nicht so ist, zeigt das Beispiel der CreditPlus Bank AG.

„Papierlos und mobil einen Kredit beantragen – das ist mit der neuen App „CreditPlus4Now“© möglich“. So beschreibt es die Bank selbst und zeigt, wie Kredite bis 5000 Euro in 15 Minuten in einem papierlosen Prozess abgewickelt werden können:

IMG_2714

Insbesondere die „digitale Signatur“ und der „digitale Kontoblick“ sind bei Banking-Apps bisher einzigartig, so die CreditPlus Bank. Auch die „Identifikation per Video-Chat“ ist noch längst nicht Standard in der Bankbranche.

Bei dem „digitalen Kontoblick“ gibt der Kunde den elektronischen Blick auf sein bestehendes Girokonto durch die Eingabe seiner privaten Daten frei. Somit kann die Bank beispielsweise Nettoeinkommen, Miete, wiederkehrende Ausgaben wie Tanken, die auf ein Auto rückschließen lassen, digital erfassen und in die Kreditoption einkalkulieren. So müssen bestenfalls beim Kreditantrag von 36 Pflichtfeldern nur noch 14 eingegeben werden. Der Antrag ist schneller ausgefüllt und der Kunde muss keine Nachweise in Papierform mehr beibringen. Bei positiver Bewertung nun noch schnell die Identifikation per Video-Chat und die rechtsgültige digitale Unterschrift – und schon kann der Kredit ausbezahlt werden.

„So innovativ wie Fintechs, aber mit dem vollen Service und der Qualität der CreditPlus Bank“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jan W. Wagner. „Für die CreditPlus Bank ist die Entwicklung der Kredit-App auch Ausdruck eines kulturellen Wandels hin zum digitalen Unternehmen“, so Wagner bei einem Interview mit dem IT-Finanzmagazin. Nebenbei: die Entwicklung hat 12 Monate in Anspruch genommen.

Das man es damit Ernst meint, kann man bereits am Außenauftritt erkennen. Die konsequente Nutzung der sozialen Netzwerke und ein für die Kunden durchaus interessant gemachter Blog zeigen die Kultur. Das Verständnis für die Digitalisierung, produktiver Ideenfindungsprozess und eben diese neue Kultur benötigen Banken zur Umsetzung innovativer Beispiele.

Technische Basis war die bereits vor Jahren in Angriff genommene Modernisierung des Kernbankverfahrens. Damit war die Möglichkeit gegeben, ohne tiefgreifende Änderungen im Verfahren die App umsetzen zu können. API-Banking eben…;-)