Bahnhof

Pilot: Deutsche Bahn testet mobilen Check-In

Zugfahren ohne Kontrolle durch den Schaffner? Die Bahn testet es in einem Pilotprojekt: Mobiler Check-In durch den Kunden.

Wie Zugreiseblog.de berichtet, wird die Deutsche Bahn in bestimmten Zügen ab Ende Juli 2017 den mobilen Check-In testen. Damit ist keine Fahrkartenkontrolle durch einen Menschen mehr nötig.

In Kurzform: Man kauft ein Online-Ticket (mobil oder Papier) mit gültiger Platzreservierung. Mit Fahrtantritt kann man dann über den DB Navigator in den Pilotzügen vorab einchecken. Der Kontrolleur sieht es auf seinem mobilen Terminal und kann weitergehen.

Vorteil für den Kunden: die Reservierung gilt nicht mehr nur noch für die ersten 15 Minuten, sondern für die gesamte Fahrt. An der Reservierungsanzeige wird dann deutlich gemacht, dass der Platz besetzt ist.

Soweit die Theorie. Lassen wir mal das Thema „Platzreservierungen waren in diesem Zug nicht möglich“ als running gag für Platzreservierungen und das damit verbundene Chaos außen vor und trauen der Bahn zu, dass die in diesen Pilotzügen eingesetzte Technik reibungslos funktioniert.

Schwierig wird wahrscheinlich bei dem Ganzen der „Mischbetrieb“. Autonomes Autofahren könnte auch so einfach sein, wenn alle Verkehrsteilnehmer nur noch Computer wären und man sich auf einen einheitlichen Standard einigen würde. Da aber im „Mischbetrieb“ noch Fußgänger, Radfahrer und gute und schlechte Autofahrer am Verkehr teilnehmen, ist das Ganze so herausfordernd.

Ähnlich wird es der Bahn ergehen. Was wird denn in einem hoffnungslos überfüllten Zug passieren, wo die Hälfte der Menschen in den Gängen sitzt und steht? Bestimmt wird der eine „besetzte“ Platz nicht frei bleiben. Diskussionen sind vorprogrammiert.

Würde man hingegen nur noch Züge mit festen Reservierungen anbieten, dann könnte das System gut klappen. So wie es beim Sprinter zumindest mal war – auf der Homepage der Bahn steht aktuell dazu nichts mehr.

Dazu müsste die Bahn aber es endlich schaffen, Züge nachfragegerecht fahren zu lassen. Die dazu nötigen Bedarfsdaten müssten längst existieren. Leider denkt die Bahn aber immer noch in Taktzeiten und schickt brav je Stunde einen Zug los. Sicherlich ist das Ganze auch eine Frage der Kapazitäten bei Zugmaterial und Gleisen und sagt sich sehr leicht. Bestimmt gäbe es aber auch Lösungen dafür.

Trotzdem ein spannendes Projekt und sicherlich auch der richtige Weg. Allerdings sollte die Bahn die freiwerdenden Kapazitäten für Qualitätsverbesserungen nutzen und nicht um am Ende den Zug komplett ohne Personal fahren zu lassen – denn der erste autonome Zug dürfte in auch nicht allzu weiter Ferne sein – schließlich ist hier das Problem des „Mischbetriebs“ deutlich geringer.

N26 bietet zukünftig auch Versicherungen

Das FinTech N26 wird zukünftig nicht nur Bankgeschäfte, sondern auch Versicherungen anbieten.

Als Mehrwert für den Kunden wird die Digitalisierung angegeben. Keinen Papierordner mehr mit Versicherungsunterlagen, sondern alle Dokumente zentral in der App. Auch Ansprüche gegenüber der Versicherung sollen mit wenigen Klicks angemeldet werden können.

N26 wird dabei nicht zum Versicherungsanbieter, sondern scheint die klassische Maklerrolle anzunehmen. Man hat sich dazu mit Clark, einem digitalen Versicherungsmakler aus Frankfurt, zusammengeschlossen. Die integrierte Lösung kann die bestehenden Verträge des Kunden analysieren und schlägt Optimierungen aus Tarifen von mehr als 160 Versicherungsgesellschaften vor.

Somit wäre auch die Frage beantwortet, wie N26 Geld verdienen will – das Versicherungsgeschäft ist für Makler bei Vermittlung eines Vertrags noch immer attraktiv. Und das oft nicht nur bei Abschluss, sondern regelmäßig.

Mehr dazu kann in der Pressemitteilung zu N26 Insurance gelesen werden.

Digitalisierung: Opel Adam bei Amazon kaufen

Auch ohne Prime kommt das neue Auto in spätestens 21 Tagen. Autos bestellt man jetzt bei Amazon.

Sicherlich ist es ein Testballon – aber ein sehr interessanter, der das Geschäftsmodell der Autohäuser schnell mal auf den Kopf stellen kann. Vermischt mit der Erkenntnis, dass junge Kunden immer weniger ein Auto als „Besitzstand“, sondern als Mobilitätsnotwendigkeit ansehen, kann das Modell wirklich Zukunft haben und ganz schnell den Markt überrennen. Portale, die das ohne große Probleme schnell anbieten können, gibt es genügend.

Wie läuft es ab:

  1. Man zahlt eine Reservierungsgebühr online
  2. Danach kann man den Leasingvertrag online mit Videoident online über die Opel Bank abschließen (Bonität vorausgesetzt)
  3. Teilnehmenden Opel Händler auswählen
  4. Spätestens nach 21 Tagen das Auto beim Händler abholen. Die Reservierungsgebühr wird verrechnet.

Wer jetzt kaufen möchte: https://www.amazon.de/gp/adlp/opel-adam

 

Digitalisierung und Gebührenerhöhungen: Kommunikation wie im letzten Jahrhundert

Die Banken haben derzeit keinen leichten Stand. Die Regulierung der letzten Jahre bringt erhöhte Kosten mit sich. Die niedrigen Zinsen lassen die Einnahmen schrumpfen. Und auch die sich spätestens seit der Markteinführung des ersten iPhone vor fast 10 Jahren aufdrängende Digitalisierung hat man quasi verschlafen.

Somit gehen die ersten Banken einen betriebswirtschaftlich fast logischen Weg: Kosten senken und Einnahmen erhöhen – wir erleben es gerade am Beispiel der Gebühren von Bargeldabhebungen am Geldausgabeautomaten für eigene Kunden – bisher ein Unding. Damit haben es die Sparkassen immerhin schon in die Bild-Zeitung, das Handelsblatt und die Wirtschaftswoche geschafft.

Man kann zu diesem Thema eine geteilte Meinung haben. Die Banken und Sparkassen haben in den letzten Jahrzehnten dem Kunden beigebracht, dass Selbstbedienung eine kostenfreie Leistung ist. Es erfolgte eine Quersubventionierung durch Provisions- und Zinseinnahmen. Leider wurde das nicht klar kommuniziert. Es klappte ja auch alles und man musste mit den Direktbanken mithalten.

Nun hat sich die Situation geändert und man ist nicht mehr gewillt, diese Leistung kostenfrei abzugeben. So weit, so nachvollziehbar.

Nicht die Situation ist das Problem, sondern die Kommunikation

Schaut man sich aber die Vorgehensweise der Institute dabei an, gruselt es einem. Wie das Portal biallo.de berichtet, ist das Kommunikationsverhalten unterirdisch. Die Kunden werden nicht aktiv über die Gebührenänderungen informiert. Auf mehrfache Nachfragen per E-Mail wird gar nicht geantwortet.

Alles zusammen zeigt, wie stark die Institute doch noch in der Vergangenheit verhaftet sind. Soziale Netzwerke sind Standard in der Kommunikation und jede Meldung verbreitet sich in Windeseile und wird von den Nutzern diskutiert. Offene Kommunikation sollte heute in der DNA des Unternehmens nach innen und außen verankert sein.

Anstatt die neuen Gebühren und Minuszinsen den Kunden endlich offensiv zu erklären, wird gemauschelt. Die nötige offene Kommunikation wird vermieden. Eine klare Darstellung der Situation bleibt aus. Wenn eine Erklärung erfolgt, dann werden oft nur abgedroschene Phrasen bemüht.

Ich wage zu prognostizieren, dass die meisten Kunden bei einer klaren Kommunikation sogar durchaus Verständnis hätten. Auch andere Unternehmen lassen sich für ihre Leistungen bezahlen. Das verstehen die Kunden. Wie es funktioniert, kann man bei der GLS-Bank sehen.

Sicherlich auch nicht hilfreich dabei ist, dass der Präsident des Dachverbandes der Sparkassen, Georg Fahrenschon, letztes Jahr noch erklärt hat: „Abhebungen an unseren Geldautomaten sind für Sparkassenkunden kostenlos – und das wird auch so bleiben“. Diese Aussage ist schon sehr verwunderlich, da die Sparkassen eigenständig sind und somit auch ihre Gebühren selbst festlegen können.

Aber unsere aktuelle Bundeskanzlerin hat ja vor der Wahl auch versprochen, dass es mit ihr keine PKW-Maut geben wird. Auch ein Versprechen, was sie aufgrund der nötigen Koalitionen nicht beeinflussen konnte. Nebenbei, Herr Fahrenschon ist übrigens CSU-Politiker.

Auch wenn Wähler vielleicht leidensfähiger als Kunden sind, klare Zusagen zu machen, die man nicht in der Hand hat ist – vorsichtig gesagt – nicht wirklich schlau.

Banken und Sparkassen wären gut damit beraten, ihre Kommunikation der heutigen vernetzten und digitalisierten Welt anzupassen. Dazu muss man diese Welt aber verstehen. Digitalisierung hat nicht nur etwas mit Prozessen und Software zu tun, sondern auch mit Kommunikationswegen und -verhalten, liebe Banken und Sparkassen.

 

BaFin plant Mitte 2017 die Veröffentlichung der BAIT: Geschäftsleitung wird mehr in die Pflicht genommen

Die IT-Prüfungen der BaFin in den Banken sind noch nicht zufriedenstellend. Letzte Woche wurde in Bonn eine „Konkretisierung der MaRisk durch ein Rundschreiben zu Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT)“ vorgestellt.

Die BAIT soll Mitte des Jahres 2017 veröffentlicht werden und das IT-Risikobewusstsein in den Instituten erhöhen. Darüber hinaus soll mehr Transparenz über die Erwartungshaltung der Aufsichtsbehörden geschaffen werden.

Die BaFin reagiert damit darauf, dass mit der Digitalisierung die Anzahl der schützenswerten Güter gewachsen ist. Nicht nur Geldvermögen und persönliche Daten, sondern inzwischen auch der Zugriff auf Dienstleistungen gehören inzwischen dazu.

Formell handelt es sich um ein Rundschreiben zur

  • Präzisierung von §25a Abs. 1 KWG und §25b KWG und einer
  • Konkretisierung der MaRisk mit einem analogen Aufbau und Verweisen.

Die Anforderungen der MaRisk und von gängigen Standards bleiben durch die BAIT unberührt. Sie beinhaltet die folgenden Themengebiete:

  1. IT-Strategie,
  2. IT-Governance,
  3. Informationsrisko-Management,
  4. Informationssicherheits-Management,
  5. Benutzerberechtigungs-Management,
  6. IT-Projekte und Anwendungsentwicklung,
  7. IT-Betrieb (inkl. Datensicherung) sowie
  8. Auslagerung und sonstiger Fremdbezug von IT-Dienstleistungen.

Insbesondere die Geschäftsführungen der Institute sollen mit diesem Rundschreiben weiter für die IT und deren Risiken bei einem unsachgemäßen Einsatz sensibilisiert werden. Ein „Zurücklehnen“ oder das Prinzip der Hoffnung reicht bei zunehmender Digitalisierung und der verbundenen damit Öffnung der Prozesse nach Außen nicht mehr aus. Felix Hufeld, Präsident der BaFin hat es am Jahresanfang so formuliert: „Denn was heute als sicher gilt, kann morgen schon Einfallstor für Cyberangriffe sein. Wir fordern diese Sicherheit ein und verlangen von den Unternehmen, diese Sicherheit auch von ihren IT-Dienstleistern und Zulieferern einzufordern.

Für die Institute bedeutet es bereits heute, sich mit dem Entwurf auseinanderzusetzen. Er sollte nicht als weitere Regulierung gesehen werden. Vielmehr ist es eine Hilfestellung, Schäden durch mangelhaft eingesetzte IT zu vermeiden.

Einen guten Überblick bietet diese Präsentation der BaFin.

 

Amazon Go Supermarkt

Digitalisierung im Supermarkt – ein Update

Lebensmittel werden wir immer benötigen – aber wie und wo wir sie kaufen wird sich in den nächsten Jahren durch die Digitalisierung massiv ändern.

Auch wenn die Lieferung von Lebensmitteln noch in den Kinderschuhen steckt. Es lässt sich ahnen, wo die Reise hingeht. Ein Knopfdruck an der Waschmaschine auf den Dash-Button und das Paket mit dem Nachschub ist am nächsten Tag da. Bald wird es die Waschmaschine direkt können. Oder man sagt Alexa direkt per Sprache, dass man neues Waschmittel benötigt. Rewe schickt die online bestellten Lebensmittel mit eigenem Fuhrpark auf die Reise. Amazon liefert in Berlin schon direkt am Tag der Bestellung die Frischwaren aus. Vielleicht druckt uns irgendwann ein 3D-Drucker die Lebensmittel direkt zu Hause aus. Mehr dazu im Artikel Zerstörung ist der Weg zum Wandel.

All diesen Entwicklungen zum Trotz wird es auch weiterhin lokale Ladengeschäfte geben, an denen wir spontan unseren Bedarf decken wollen.

Der digitale Supermarkt

Amazon testet derzeit mit eigenen Mitarbeitern „Amazon Go“ in der Betaphase aus. Ein Ladengeschäft in Seattle, welches 2017 für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Das Besondere dabei: keine Kassen mehr und somit auch keine Warteschlangen. Kein Umpacken der Waren vom Einkaufswagen in die eigene Tasche. Einfach die Waren aus dem Regal nehmen, in die Tasche stecken und das Geschäft verlassen. Abgerechnet wird online über das Amazon Konto.

Wie das funktioniert? Amazon nutzt die Technologie, die auch in selbstfahrenden Autos genutzt wird: maschinelles Sehen, Sensordatenfusion (also die Verknüpfung der Daten verschiedener Sensoren) und maschinelles Lernen.

Man identifiziert sich über die App beim Betreten des Supermarktes (ähnlich wie das Passieren eines Gates am Flughafen mit elektronischer Bordkarte) und schon wird registriert, welche Waren der einzelne Besucher aus dem Regal nimmt und tatsächlich einsteckt. Sehr schön erklärt es in knapp 2 Minuten ein Video bzw. die Seite von Amazon.

Auswirkungen auf den Handel

Macht dieses Modell Schule (und daran ist eigentlich kaum zu zweifeln), kann man sich schnell vorstellen, welche Arbeitsplätze durch solch eine Technologie wegfallen können. Nicht nur in Supermärkten, sondern im gesamten lokalen Handel. Kaufhof, Karstadt, Saturn und co. könnten viel Personal einsparen.

Denkt man dann noch ein wenig weiter, könnten Preise – wie heute durchaus schon im Online-Handel üblich – sich deutlich schneller ändern. Im Extremfall sogar individuell für jeden Kunden. Das System berechnet dem Kunden den Preis schließlich genau zu dem Zeitpunkt, zu dem er die Ware aus dem Regal nimmt und in die Tasche steckt.

Der Handel steckt also in dem gleichen „Dilemma“ wie viele andere Branchen. Er muss sich Gedanken machen, wie das Geschäftsmodell zukünftig aussehen wird. Nicht wöchentliche Prospekte mit Preisangeboten werden die Kunden in den Laden locken, sondern Frische, Individualität, Qualität, Beratung werden einige der Schlüsselbegriffe sein. Wie in vielen Branchen werden die Berufsbilder der MitarbeiterInnen sich massiv verändern müssen. Ob das vorhandene Personal diese Herausforderungen leisten und bewältigen kann, liegt wie immer daran, wann die Unternehmen die Notwendigkeit erkennen und damit anfangen.

Die Metro-Gruppe hat gerade erst im nordrhein-westfälischen Tönisvorst ihren Supermarkt „Real Future Store“ eröffnet. Teil der „Zukunft“ ist dort der Mobile Einkaufsassistent (MEA). Der Kunde scannt hierbei seinen Einkauf selber und reduziert die Wartezeiten an der Kasse damit deutlich.

Wer in den Niederlanden schon mal bei der Kette Albert Heijn eingekauft hat, empfindet dies als alten Hut. Und gegenüber „Amazon Go“ klingt es schon recht nicht mehr nach einem Supermarkt der Zukunft. Immerhin hat Real verstanden, dass es in der Zukunft etwas mehr bedarf als nur gute Preise und gefüllte Regale anzubieten. „Die Markthalle Krefeld verspricht ein Einkaufserlebnis der Superlative. Mehr Service, mehr Frische, noch bessere Preise, mehr Emotionen auch im Nonfood-Bereich, so präsentiert sich die Zukunft des Einkaufens“, so die Pressemitteilung.

Arbeitswelt Brücken

Neue Arbeitswelt: Welche Brücken müssen wir bauen?

Wie und welche Brücken bauen wir von der traditionellen zur neuen Arbeitswelt? Diese Fragestellung war Basis für die Diskussion beim Digital Workplace Meetup #BerlinDWM – eine sehr spannende und interessante Diskussion.

Auch wenn ich an dem Abend von niemandem eine echte Lösung zu dieser Fragestellung herausgehört habe – viele interessante Ansätze waren dabei und manchmal müssen Aussagen erst einmal sacken. Den für mich spannendsten Gedanken hat Lars Vollmer, Autor des viel beachteten Buches Zurück an die Arbeit in die Diskussion gebracht. Er plädierte für ein Gedankenmodell, in dem die Organisation vom Menschen gedanklich getrennt betrachtet wird, um es anschließend wieder zusammen zu führen. So habe ich ihn zumindest verstanden.

Was hat dieses Modell nun für Vorteile? Ich zumindest habe mit diesem Modell für mich besser verstanden, welche Brücke denn nun gebaut werden muss und wie diese vielleicht aussehen kann.

Die Organisation

Versteht man die Organisation als das Unternehmen, so ist sie unter anderem über folgende Eigenschaften definiert:

  • Sie entscheidet über den Eintritt und Austritt von Personen und definiert Bedingungen für die Mitgliedschaft. Die Personen müssen sich diesen Bedingungen unterwerfen.
  • Sie richtet ihre Entscheidungen nach einem Zweck aus. Dieser Zweck fokussiert auf wenige, wichtig erscheinende Aspekte.
  • Sie ist durch Hierarchien gekennzeichnet, die Über- und Unterordnungsverhältnisse der einzelnen Mitglieder festlegen.

Der Hauptzweck eines Unternehmens ist zunächst, wirtschaftlich zu überleben und am Markt zu bestehen. Dies hat sich seitdem es Unternehmen gibt, eigentlich nicht geändert und ist bis heute gültig (ja, es gibt Ausnahmen – die betrachte ich hier aber nicht).

Die Märkte

Was sich hingegen massiv verändert hat, sind die Märkte. Der Internetzugang ist inzwischen für die Mehrheit der Menschen zu einer Selbstverständlichkeit geworden – und zwar quasi jederzeit und an jedem Ort. Technologische Grenzen werden täglich eingerissen oder verschoben und es entstehen Möglichkeiten, die sich vor Jahren nur wenige vorstellen konnten. Da diese technologischen Möglichkeiten (vermeintliche) Vereinfachungen und Transparenz mit sich bringen, werden sie von den Menschen angenommen und intensiv genutzt. Es entstehen neue Geschäftsmodelle und Wettbewerber.

Dass sich Märkte verändern ist allerdings auch nichts Neues. Auch dies konnte man immer wieder in der Vergangenheit beobachten – auch mit massiven Veränderungen und Umwälzungen.

Die Geschwindigkeit

Neu hingegen ist, dass sich diese Veränderungen in einer für den einzelnen Menschen nicht mehr nachvollziehbaren Geschwindigkeit zu vollziehen scheinen. Konnten Unternehmungen bisher immer mit reichlich Vorlauf auf die Veränderungen reagieren, reicht dieses Handlungsmuster inzwischen nicht mehr aus. Unternehmen benötigen viel schneller Innovationen und müssen diese erfolgreich am Markt platzieren, bevor andere den Kuchen aufgeteilt haben. Viele Unternehmenslenker sind damit vollkommen überfordert und es sind Lösungen notwendig.

Zwischenfazit

  1. Der Zweck eines Unternehmens ist nach wie vor der Gleiche.
  2. Die Veränderung von Märkten gab es schon immer, auch radikale Umwälzungen.
  3. Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung hat sich extrem erhöht.
  4. Um den Zweck des Unternehmens noch erfüllen zu können, müssen sich Unternehmen die Geschwindigkeit ihrer Veränderungen denen des Marktes anpassen.

Es lässt sich feststellen, dass Unternehmen zunächst kein direktes Interesse daran haben, Möglichkeiten für neue Arbeitsformen und -modelle zur Verfügung zu stellen. Dies können für Organisationen lediglich Werkzeuge für die zukünftige Erreichung des Unternehmenszwecks sein.

Der Mensch

Bei den Menschen ist die Beurteilung nicht so einfach. Schon deshalb, weil jedes Individuum seine persönliche Sichtweise auf sein gewünschtes Arbeitsumfeld hat. Auch wird den verschiedenen Generationen ein unterschiedlicher Anspruch an das Arbeitsumfeld nachgesagt. Als kleinste Teilmenge lässt sich wahrscheinlich definieren, dass die Arbeit zur Sicherung des Lebensunterhaltes dienen muss. Schon dieses Grundbedürfnis wird durch wegfallende Berufsbilder bald nicht mehr komplett befriedigt werden können. Auch wenn sicherlich neue Berufsbilder entstehen werden, so kann man die frei werdenden Kapazitäten nicht einfach neu einsetzen.

Darüber hinaus haben immer mehr Menschen viel höhere Ansprüche an die Arbeitswelt und ihren Arbeitsplatz. Hierarchien werden angezweifelt, selbständige Arbeit und Zielerreichung stehen im Vordergrund.

Man sollte sich vergegenwärtigen, dass schon innerhalb einer Organisation die unterschiedlichsten Menschen arbeiten und entsprechende unterschiedliche Ansprüche an ihren Arbeitsplatz haben.

Fazit

Führt man jetzt die Organisation und den Menschen gedanklich wieder zusammen, ergibt sich zwangsläufig, dass es „die eine Brücke“ zwischen alter und neuer Arbeitswelt nicht geben kann. Vielmehr gilt es, Brücken (bewusst nicht: eine Brücke) zwischen den Menschen und der Organisation zu bauen. Diese Summe der Brücken zeigt die Wege in eine neue Arbeitswelten auf.

Denn sehr wahrscheinlich wird es nicht „die eine neue Arbeitswelt“ geben, sondern ganz viele neue Arbeitswelten. Wir neigen immer dazu, „schwarz“ oder „weiß“ als einzig richtige Lösung anzunehmen. Dies zeigte sich für mich auch in der Diskussion bei obiger Veranstaltung. Es wurde teilweise sehr zwischen klassischen und neuen Arbeitsmodellen polarisiert – auch im Sinne von gut/schlecht bzw. erfolgreich/chancenlos.

Stattdessen ist „grau“ die Lösung. Auch klassische Organisationsformen haben ihre Berechtigung. Zum einen gibt es Menschen, die diese Sicherheit und Klarheit einfach benötigen. Zum anderen gibt es Prozesse im Unternehmen, die möglichst effizient und zuverlässig abgearbeitet werden müssen. Vieles wird nach und nach sicherlich von Maschinen übernommen werden, uns aber noch Jahre begleiten. Auf der anderen Seite können die Organisationen ihren Zweck nicht mehr dauerhaft erfüllen, wenn sie am Markt nicht mithalten. Dazu benötigen sie neue Arbeitswelten, die Innovationen möglich machen. Auch hier werden sich Menschen finden, die mit dieser Arbeitsweise gut zurechtkommen werden – ja, diese sogar aktiv einfordern. Somit kann es nicht „den einen“ richtigen Weg geben.

Bevor der Weg aber beschritten wird, gilt für jede Organisation,

  1. dass sie ihren (zukünftigen) Markt genau kennen muss,
  2. auf die schnellen Veränderungen reagieren will,
  3. innovativ neue Wege finden kann,
  4. diese konsequent beschreitet und
  5. dabei erfolgreich weiter am Markt besteht und ihn prägt.

Auch wenn diese Punkte selbstverständlich klingen. Schon bei Punkt 1 scheitern heute viele Unternehmen – das wollen sie nur oft genug nicht wahrhaben.

Will eine Organisation diesen Weg dann gehen (per Definition muss sie das, um ihren Zweck zu erfüllen), dann benötigt sie dafür Menschen. Sie muss für jeden Einzelnen die passenden Voraussetzungen schaffen, damit er/sie die Erreichung des Unternehmenszwecks möglichst gut unterstützt. „Die eine“ Umgebung für alle Mitarbeiter wie in der Vergangenheit wird nicht mehr funktionieren. Und genau das macht es so schwer, für die Unternehmen. Faktisch ist für jeden Mitarbeiter eine eigene Brücke zu bauen.

Dazu muss das Unternehmen aber wissen, wohin die Brücke gebaut werden soll. Stattdessen beobachtet man derzeit oft folgendes Phänomen: es wird ein modernes Arbeitsumfeld geschaffen. Man orientiert sich dabei an Startups und glaubt, damit die Probleme gelöst zu haben. Das wird nicht klappen – die Vorgehensweise ist genau umzudrehen. Das Ziel muss bekannt sein, dann kann ich die dazu passenden Werkzeuge (Arbeitsumgebung, Arbeitsweisen etc.) schaffen – und das individuell auf den Menschen zugeschnitten um seine persönliche Bestleistung für das Unternehmen zu fördern.

Damit unterscheidet sich die Vorgehensweise übrigens auch wieder überhaupt nicht von den bisher gültigen Regeln. Ohne eine klare Strategie und eine Sachkenntnis vom Markt, kann man einfach kein Unternehmen erfolgreich steuern. Verändert hat sich nur, dass man sich heute von allen Mitarbeitern helfen lassen muss – wenn man nur kann und möchte.